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Evangelische Frauen fordern Anlaufstelle für Missbrauchsopfer

Die Evangelischen Frauen in Deutschland haben die Einrichtung einer zentralen und unabhängigen Anlauf- und Beschwerdestelle für Opfer sexualisierter Gewalt im kirchlichen Bereich gefordert. "Sexueller Missbrauch in der evangelischen Kirche ist eine lange weitgehend ignorierte Gewaltform, deren Ausmaß bis heute unbekannt ist", heißt es in einer am Freitag in Hannover veröffentlichten Erklärung.

"In Bezug auf Prävention sind die meisten Landeskirchen auf einem guten Weg", erklärte die Vorsitzende der Evangelischen Frauen in Deutschland, Susanne Kahl-Passoth. Doch in der Begleitung der Betroffenen, die an erster Stelle stehen müsse, und der Aufarbeitung des Geschehenen seien viele Landeskirchen unzureichend engagiert. Nur die Hälfte der 20 Landeskirchen habe Kommissionen eingesetzt, die sich mit sexualisierter Gewalt befassten, heißt es in der Erklärung der Mitgliederversammlung der Evangelischen Frauen.

"Wir fordern eine zentrale unabhängige Anlauf- und Beschwerdestelle, die angemessen ausgestattet sein muss", erklärte Kahl-Passoth. Es fehle zudem eine selbstkritische Reflexion der strukturellen Bedingungen, die Missbrauch ermöglichten. Die stellvertretende Vorsitzende Angelika Weigt-Blätgen betonte zudem: "Wir können nicht länger zur theologischen Dimension sexualisierter Gewalt im kirchlichen Raum schweigen." Zur selbstkritischen Reflexion gehöre eine ernsthafte ekklesiologische Auseinandersetzung.

Das Thema steht bei der am Sonntag beginnenden Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Würzburg auf der Tagesordnung. Am Dienstag wollen die Synodalen beraten, wie Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche und bei kirchlichen Einrichtung aufgearbeitet werden sollen und wie Prävention gestärkt werden kann.