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Bonner Missbrauchsopfer erklären Dialog mit Jesuiten für gescheitert

Acht Jahre nach Bekanntwerden des Missbrauchsskandals an deutschen Schulen haben Betroffenenvertreter in Bonn den Dialog mit dem Jesuitenorden für gescheitert erklärt. "Wir haben nicht das Gefühl, dass die Jesuiten begriffen haben, dass das historische Leitungsversagen im System des Ordens die eigentliche Ursache, also Teil der Missbräuche, war", erklärte der Vorsitzende des Eckigen Tischs Bonn, Heiko Schnitzler, am Freitagabend. "Es gibt nach acht Jahren keine Entschuldigung fürs Aussitzen." Der Eckige Tisch vertritt Opfer von Missbrauch am Bonner Aloisiuskolleg, das in Trägerschaft der Jesuiten ist.

Der Verein warf dem Orden vor, keine wirkliche interne Aufarbeitung zu betreiben. Die Jesuiten seien offensichtlich nicht bereit, "nach acht Jahren Skandal und sieben zumeist externen Untersuchungen, die alle auch das Versagen der jeweiligen Leitungen der Institution aufzeigen, ihre Schlüsse und Konsequenzen für das System des Ordens mitzuteilen", erklärte Schnitzler. Es habe bis heute im Orden keine konkreten Konsequenzen in der Personalpolitik gegeben. Weitere Gespräche hätten "so keinen Sinn".

Die Deutsche Provinz der Jesuiten äußerte Bedauern, dass der Eckige Tisch die Gespräche als gescheitert ansehe. "Wir waren und bleiben immer für direkte Gespräche bereit", betonte der Orden am Freitagabend. "Wir haben von den Gesprächen der vergangenen Jahre, vor allem von der Dialog-Runde im Bonner Aloisiuskolleg, sehr viel gelernt." Die Ordenseinrichtungen hätten unmittelbar profitiert, auch wenn der Dialog mühsam und das Vorankommen in der Aufarbeitung oft langwierig sei.

Den Vorwurf, die Jesuiten hätten die Anliegen des Eckigen Tischs nicht aufgenommen, wies der Orden zurück. Erst im vergangenen November habe es ein direktes Gesprächsangebot des Jesuiten-Provinzials Johannes Siebner gegeben. "Unsere Kommunitäten und Einrichtungen sind angehalten, falls es nicht schon längst geschehen ist, ein Präventionskonzept zu erarbeiten", hieß es weiter. Es gebe Fortbildungen für die Angestellten, Informationsabende für Eltern, entsprechende Unterrichtsinhalte und "konkrete Verfahrenswege, wie beim Verdacht auf Handlungen sexualisierter Gewalt gehandelt werden muss".

Am 28. Januar 2010 war zuerst am Berliner Canisius-Kolleg Missbrauch an Schülern publik geworden. Der Skandal weitete sich kurz darauf unter anderem auch auf das Aloisiuskolleg in Bonn und die reformpädagogische Odenwaldschule aus. Die Politik reagierte, indem sie unter anderem einen Runden Tisch "Sexueller Kindesmissbrauch" und das Amt des Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs in Berlin einrichtete.