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Bischof Wiesemann bittet Missbrauchsopfer um Verzeihung

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hat sich entsetzt über das Ausmaß der Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche gezeigt und die Betroffenen um Verzeihung gebeten. "Was Priester unserer Kirche Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen an körperlichem und seelischem Leid zugefügt haben, ist unbeschreiblich und sehr bedrückend", erklärte Wiesemann am Samstag mit Blick auf Medienberichte zu der bislang unveröffentlichten Missbrauchsstudie der katholischen Deutschen Bischofskonferenz.

Die von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie soll am 25. September auf der Herbst-Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda vorgestellt werden. Nach Berichten des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" und der Wochenzeitung "Die Zeit" nennt die Studie zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3.677 sexuelle Vergehen durch 1.670 Kleriker an überwiegend männlichen Minderjährigen.

Versagen und Schuld träfen auch die Leitung auf allen Ebenen der Kirche. Der Schutz der Kirche sei oft vor den Schutz der Betroffenen gestellt worden. "Das bedaure ich zutiefst und bitte die Betroffenen aus tiefem Herzen um Verzeihung", sagte der Speyerer Bischof. Die Kirche werde die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle weiter konsequent fortsetzen. Wiesemanns Erklärung soll am Wochenende allen Gottesdiensten des Bistums verlesen werden.

Die ersten Ergebnisse der Studie zeigten, dass das bisher Unternommene nicht ausreiche, sagte Wiesemann. "Wir müssen für unsere Kirche weitere Konsequenzen ziehen und uns allen damit verbundenen Fragen offen und ehrlich stellen." Dazu sei zuerst eine intensive Auseinandersetzung mit den Ergebnissen der Studie nötig, an der sich Forscher der Universitäten Mannheim, Heidelberg und Gießen beteiligten.

Bei der weiteren Aufarbeitung seien ihm der Kontakt und das Gespräch mit den Betroffenen besonders wichtig: "Sie wurden oft über Jahrzehnte in unserer Kirche nicht gehört und ich bin entschlossen, dies zu ändern und dauerhaft zu gewährleisten", sagte Wiesemann. Er ermutigte Betroffene, sich an die beiden Missbrauchsbeauftragten des Bistums zu wenden.