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Bischof Marx fordert nach Missbrauchsfällen Veränderungen

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat seine eigene Kirche zu Konsequenzen aus den Erkenntnissen über sexuellen Missbrauch durch Priester und Diakone aufgefordert. Betroffene hätten ihm gesagt, es sei jetzt gut mit Entschuldigungen und Betroffenheitsreden, sagte Marx am Mittwoch beim traditionellen Michaelsempfang der Bischofskonferenz in Berlin. Sie wollten Taten sehen. Der Münchener Erzbischof fügte hinzu, es sei notwendig, Schritte zur Veränderung zu gehen.

Marx hatte Ende September die von der Bischofskonferenz in Auftrag gegebene Studie über sexuellen Missbrauch durch Geistliche in der katholischen Kirche vorgestellt. Sie kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass spezielle Machtstrukturen in der Kirche und der Zölibat kombiniert mit sexueller Unreife Missbrauch begünstigen. Die Studie sei nicht die Antwort auf alle Fragen, die sich die Kirche nun stellen müsse, sagte Marx. Sie verweise auf systemische Zusammenhänge.

Im Zusammenhang mit Reformen verwies er konkret auf den Klerus und das kirchliche Rechtswesen. Die Studie hatte auch ergeben, dass vielen Beschuldigungen von Priestern und Diakonen nicht ausreichend nachgegangen wurde.

Der Leiter des katholischen Büros in Berlin, Karl Jüsten, sagte, die Kirche müsse lernen, dass die "Aufarbeitung dieser Schandtaten" eine dauerhafte Aufgabe sei. Kein Bischof dürfe, sobald der mediale Druck gewichen ist, zur Tagesordnung übergeben, sagte Jüsten. Die Glaubwürdigkeit der Kirche hänge entscheidend davon ab, wie sie mit den Missbrauchsfällen umgeht. Marx ermunterte die Gäste des Michaelsempfangs, darunter Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und viele Bundestagsabgeordnete, die Aufarbeitung der Kirche kritisch zu begleiten.