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Bayerischer Innenminister verteidigt Kreuz-Pflicht in Behörden - Grünen-Politiker Beck: CSU höhlt religiöse Bedeutung des Kreuzes aus

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat auf dem Katholikentag die Kreuz-Pflicht in den bayerischen Behörden verteidigt. "Ein Kreuz kann niemals ausgrenzen", sagte der CSU-Politiker am Samstag in Münster. Menschen, denen das Kreuz nichts sage, brauchten sich nicht aufzuregen, da das Kreuz ein Zeichen der Nächstenliebe und der Liebe Gottes zu allen Menschen sei.

Volker Beck, der ehemalige religionspolitische Sprecher der Grünen, warf Herrmann vor, der Bevölkerung seine Bedeutung des Kreuzes aufzwingen zu wollen. Beck sagte, das Kreuz bedeute für jeden Menschen sehr wohl etwas anderes. "Unter dem Kreuz wurden Juden verfolgt, unter dem Kreuz wurden Kriege geführt", fügte er hinzu.

Im Eingangsbereich aller bayerischen Dienstgebäude soll ab dem 1. Juni ein Kreuz hängen. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte Ende April zu dem Beschluss des Landeskabinetts erklärt: "Das Kreuz ist grundlegendes Symbol unserer bayerischen Identität und Lebensart."

Beck warf der CSU vor, das Kreuz in seiner religiösen Bedeutung auszuhöhlen. Die Partei erkläre das christliche Symbol durch den Beschluss zu einem Symbol "christlicher Folklore wie den Christstollen und die Ostereier", kritisierte Beck. Gleichzeitig verurteilte er das Vorgehen der Berliner Landesregierung, die mit dem Neutralitätsgesetz religiöse Symbole in staatlichen Einrichtungen verbietet. "Beides ist nicht in Ordnung, weil Politiker - einmal christlich-katholisch, einmal säkular-atheistisch - ihre subjektive Haltung zur allgemeinen Regel der Gesellschaft und des Staates machen wollen", sagte er.

Heftige Kritik erntete die CSU auch von Ulrich Willems vom Exzellenzcluster der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU). Der Politikwissenschaftler warf der CSU vor, mit dem Kreuz-Beschluss Landtagswahlkampf zu betreiben. "Es geht hier um den Versuch, der AfD das Wasser abzugraben, und zwar mit den Mitteln der AfD", sagt Willems.