Zentralredaktion
Evangelischer Presssedienst feiert 100-jähriges Bestehen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Bedeutung des Evangelischen Pressedienstes (epd) in seinem medialen Wächteramt gewürdigt. Der epd sei eine leistungsstarke und professionelle Nachrichtenagentur, die Orientierung in der Nachrichtenflut biete, sagte Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Festrede zum 100-jährigen Bestehen des epd am Mittwochabend in Berlin.
Der epd versuche, die Menschen in ihrer Gesamtheit und Vielfalt zu Wort kommen zu lassen und stehe für ein Stück Nachhaltigkeit in der Berichterstattung, sagte Merkel vor rund 300 Gästen aus Kirche, Politik und Medien. Die Kanzlerin würdigte insbesondere die Medienberichterstattung und den entwicklungspolitischen Fokus des epd. Durch die entwicklungspolitische Berichterstattung baue die Nachrichtenagentur einen "Bund des Kennenlernens zu anderen Regionen der Welt" auf.

Für das "zweite Jahrhundert" in der Arbeit des epd wünschte sich Merkel "Entschleunigung und Gründlichkeit" in der Berichterstattung: "Machen Sie weiterhin die Breite der Gesellschaft sichtbar und verzichten sich nicht auf ihre wichtige Erklärungsfunktion für Zusammenhänge und Hintergründe."

Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann, sagte, sie vermisse in den Medien häufig Berichte über die kleinen Ereignisse im Land. Themen, die den Einsatz der Menschen für eine Sache oder die Lebendigkeit des christlichen Glaubens zeigten, finde sie aber häufig im Angebot des epd.

Die hannoversche Landesbischöfin rechtfertigte, dass sie unter großer Medienresonanz einen Trauergottesdienst für den Nationaltorwart Robert Enke gehalten hatte. Enkes Witwe habe zugestimmt und die Menschen hätten sie aufgefordert, der allgemeinen Trauer Ausdruck zu verleihen. Der Gottesdienst habe gezeigt, dass der christliche Glaube Rituale auch für Michael Ballack und Joachim Löw anbieten könne, sagte Käßmann.

Der Chefredakteur des "Hamburger Abendblatts", Claus Strunz, sagte, die Medien sollten trotz des steigenden Tempos auf Qualität setzen. Nachrichtenagenturen mit einer hohen Fehlerquote verspielten ihre Marktchancen, sagte Strunz in einer Diskussion mit Käßmann. Nachrichtenagenturen und Redaktionen stünden heute unter dem Druck, zugleich schneller und besser werden zu müssen. Wenn man diese Ziele zudem mit immer geringeren Ressourcen zu erreichen versuche, "bekommt man Probleme", sagte Strunz.

Der "Evangelische Preßverband für Deutschland" wurde am 3. Februar 1910 in Wittenberg gegründet. Vom Korrespondentendienst der Kaiserzeit entwickelte sich der epd bis heute zur modernen Nachrichtenagentur. Rund zwei Drittel der deutschen Tageszeitungen mit rund 37 Millionen Lesern beziehen epd, darüber hinaus alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Hinzu kommen Online-Kunden.

Etwa 80 fest angestellte Redakteure in mehr als 30 deutschen Städten arbeiten für den Evangelischen Pressedienst. Sitz der Zentralredaktion ist Frankfurt am Main. Hinzu kommen acht Landesdienste, die über die epd-Arbeitsgemeinschaft untereinander sowie mit der Zentralredaktion verbunden sind. Der epd liefert Texte und Fotos aus den Bereichen Kirche und Religion, Kultur, Medien und Bildung, Gesellschaft, Soziales, Dritte Welt und Entwicklung.