Newsfeed-Tickermeldung - Zentralredaktion/epd-Zentralredaktion
Architekten-Erbe lehnt "Reformationsfenster" in Hannover ab

Im Fall des von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) angeregten "Reformationsfensters" für die Marktkirche in Hannover hat der Stiefsohn des Architekten Dieter Oesterlen (1911-1994) seinen Widerspruch angekündigt. Daraufhin habe die Marktkirche das Projekt vorerst auf Eis gelegt, sagte Pfarrerin Hanna Kreisel-Liebermann am Donnerstag dem epd. Der in Tokio lebende Rechtsanwalt Georg Bissen verwaltet die Urheberrechte an der Neugestaltung der Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg durch Oesterlen.

Er habe seine Skepsis gegen das 13 Meter hohe Buntglasfenster mit dem architektonischen Konzept seines Stiefvaters begründet, sagte die Pastorin. Bissen werde Anfang Oktober zu einem Gespräch in Hannover erwartet. "Unser Wunsch ist, dass er doch zustimmt."

Für das Fenster liegt bereits seit Monaten ein Entwurf des Künstlers Markus Lüpertz (77) vor, der Freund Schröders ist. Die Pläne waren zuletzt schon weit fortgeschritten. Schröder hatte angekündigt, er wolle der evangelischen Marktkirche als Ehrenbürger von Hannover das Fenster schenken. Allein die Kosten für Material, Herstellung und Einbau werden auf rund 100.000 Euro geschätzt. Zur Finanzierung will Schröder Vortragshonorare von Verbänden und Unternehmen in Deutschland weitergeben.

Die Kirche sei verpflichtet, den Verwalter der Urheberrechte einzubeziehen, da diese 70 Jahre lang nach dem Tod des Architekten gültig seien, sagte Kreisel-Liebermann. Oesterlen leitete von 1946 bis 1952 den Wiederaufbau der im Krieg schwer beschädigten Marktkirche. Dabei ließ er den Ziegelstein im Inneren vollständig freilegen und sorgte für ein nüchternes Erscheinungsbild. Die meisten Fenster der Kirche haben seit dieser Zeit nur eine einfache Verglasung, es gibt jedoch auch einige Buntfenster. Das geplante "Reformationsfenster" soll künftig eines der schlichten Fenster ersetzen und in einen hohen Spitzbogen eingebaut werden.

Der Entwurf von Lüpertz setzt sich in zahlreichen Symbolen mit dem Leben und Werk des Reformators Martin Luther (1483-1546) auseinander. Für Diskussionen sorgen dabei vor allem fünf Fliegen als Symbol der Vergänglichkeit. Der Denkmalschutz hatte dem Einbau des Kunstwerks unter Auflagen bereits zugestimmt und helle und sehr lichtdurchlässige Materialien verlangt.