Schuldnerberatung mit Einschränkungen

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Schuldnerberatung der Diakonie in Wuppertal
Göttingen (epd)

Normalerweise wäre er jetzt auf Abschlussfesten unterwegs, in Bibliotheken und in Kindergärten. In der Regel häufen sich ab dem Frühling die Anfragen, sagt Liedermacher und Entertainer Frank Bode. Dieses Jahr sei alles anders: Seit Mitte März seien seine Auftritte und damit ein großer Teil seiner Einnahmen weggebrochen. Künstlerinnen und Solo-Selbstständige gehören zu den Menschen, die infolge der Corona-Pandemie die stärksten finanziellen Einschnitte hinnehmen mussten. Ohne Rücklagen können sich schnell Schuldenberge anhäufen.

Angestellte Arbeitnehmer können sich in einer solchen Situation Hilfe bei ihm und seinen Kollegen holen, sagt Thomas Bode, Leiter der Schuldnerberatungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Göttingen und Referent für Schuldnerberatung des AWO-Bezirksverbands Hannover. Die Beratung werde allerdings meist nur für Privathaushalte finanziert. Freischaffenden Künstlern und selbstständigen Gewerbetreibenden dürfe er "nur in den allerschlimmsten Notfällen" zur Seite stehen.

Knapp 1.500 Beratungsstellen

Schuldnerberater helfen meist kostenlos Einzelpersonen oder Familien, die mit Geldproblemen oder Überschuldung kämpfen. Kurzfristig geht es darum, die wichtigsten finanziellen und rechtlichen Probleme zu klären, damit Grundbedürfnisse wie die Miete und Lebensmittel bezahlt werden können. Die Berater stehen zudem bei psychischen Problemen bei und zeigen, wie die Ratsuchenden mit ihren Finanzen besser haushalten können. Insgesamt gibt es nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 1.450 Schuldnerberatungsstellen in Deutschland.

Nach einer Erhebung des Statistischen Bundesamtes haben sich im vergangenen Jahr mehr als 580.000 Personen an eine Schuldner- oder Insolvenzberatungsstelle gewendet. Der Hauptauslöser für die Überschuldung war demnach meist der Verlust des Arbeitsplatzes. Die infolge der Corona-Pandemie gestiegenen Arbeitslosenzahlen lassen eine Zunahme der Beratungsfälle befürchten: Im Juni dieses Jahres hatten der Bundesagentur für Arbeit zufolge 2.853.000 Menschen keinen Job, im Vorjahr waren es 637.000 weniger.

Momentan sei die Lage in den Beratungsstellen noch unter Kontrolle, sagt Berater Bode. "Man muss allerdings die Zeitachse im Blick behalten", sagt er. So durften bis vor kurzem Vermieter bei Zahlungsausfällen nicht kündigen, viele Gläubiger seien Stundungsbitten nachgekommen. "Die Einbußen waren also nicht so groß, dass die Leute schon in drei, vier Monaten in der Schuldenfalle landen", sagt er. Das könne sich allerdings schnell ändern - spätestens dann, wenn sich die Gläubiger nicht auf weitere Stundungen einlassen.

Unvorbereitet in die Krise

Die typischen Corona-Ratsuchenden sind laut Schuldnerberater Bode Menschen, die schon vor der Pandemie nur knapp über die Runden kamen. "Ein Merkmal der Krise ist, dass sie so plötzlich kam. Niemand konnte sich auf ihre finanziellen Folgen vorbereiten", sagt er. Auch Personen, die vorher nebenbei in Branchen wie der Gastronomie gearbeitet haben, suchten nun Beratung.

Ebenfalls überraschend kam die Krise für Künstler, die laut Liedermacher Bode oft "von der Hand in den Mund leben". Viele seiner Künstlerkollegen seien bereits jetzt essenziell betroffen, manche brauchten ihre Rücklagen auf oder suchten neue Einkommensmöglichkeiten. In Netzwerken gebe es zwar vereinzelt Ratschläge, eine wirkliche Schuldnerberatung sei das aber natürlich nicht.

"Künstler sind schon vor Corona Krisenmanager gewesen", sagt er. Für die kommenden Monate setze er auf die gesellschaftliche Solidarität mit der Branche und seine persönliche Fähigkeit, sich einzuschränken. Dafür hätten Künstler schließlich schon immer kreative Lösungen gefunden.

Von Jana-Sophie Brüntjen (epd)