Influencer gegen den Personalnotstand in der Pflege

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Krankenpflege-Ausbildung (Archivbild)
Rödental, München (epd)

Daniel ist an beiden Armen bis zum Handgelenk tätowiert. Durch seine Nase trägt er einen Ring. Auch Luise ist gepierct, hat ihre Haare weißblond gefärbt. Die beiden jungen Erwachsenen arbeiten in der Pflege. Und sie sind seit neuestem Teil des Instagram-Accounts "Pflegehelden" von Dustin Struwe.

Knapp 8.000 Abonnenten hat die Seite des 28-jährigen Altenpflegers aus dem oberfränkischen Rödental. Fast jeden Tag postet Dustin ein neues Bild. Zu sehen sind junge Menschen, die in einem Pflegeberuf arbeiten. Im vergangenen Sommer hat der gebürtige Berliner damit angefangen. Sein Ziel: den Leuten zeigen, wie vielfältig der Beruf und die Menschen dahinter sind. Oftmals herrschten Klischees wie "Alle Alten- und Krankenpfleger sind dick", erklärt Dustin. Unter Hashtags wie "altenpflegerinmitherz" finden sich auf Instagram Tausende Beiträge von Pflegepersonal.

Werbung für die Branche

Viele der Fotos und Videos zeigen glückliche Mitarbeiter. Ein wenig Werbung also für die Branche. Mit Blick auf die Zahlen ist das dringend nötig. Nach Angaben des Deutschen Pflegerats werden bis 2030 fast 500.000 Vollzeitkräfte fehlen, wenn sich die derzeitigen Trends fortsetzen.

Die Idee der Pflege-Influencer findet der Münchner Pflege-Experte Claus Fussek gut. Vorausgesetzt, die Personen treten authentisch auf. Wenn sie auf ihren Profilen nur Positives zeigten, fühlte sich der Nachwuchs spätestens nach den ersten Tagen im Beruf veräppelt, warnt Fussek. Plattformen wie die "Pflegehelden" seien zudem eine gute Möglichkeit, dass sich Pflegende miteinander solidarisieren. Im Berufsalltag sehe das meist anders aus. Regelmäßig erhalte er Anrufe von verzweifelten Pflegekräften, die über Mobbing im Team klagen.

Angespannte Stimmung

Die Stimmung ist angespannt auch unter den Einrichtungen, weiß Anne Ertel. Die Pflegedirektorin der Krankenhaus GmbH Landkreis Weilheim-Schongau in Oberbayern berichtet von teilweise aggressivem Versuchen anderer Kliniken, Fachkräfte abzuwerben.

Ertel und ihr Team entwickeln verschiedene Formate, um junges Personal für den Beruf zu begeistern. In den sozialen Netzwerken seien die Einrichtungen unter dem Titel "Mia san Krankenpflege" aktiv, sagen Ertel und ihre Kollegin Sandra Buchner.

Ihre neuesten Projekte: ein Candlelight-Dinner und eine Halloween-Party für potenzielle Bewerber. Allein beim Candlelight-Dinner im September hätten noch am selben Abend neun Besucher einen Vertrag unterschrieben, berichten Ertel und Buchner stolz. In den darauffolgenden Tagen seien noch vier weitere dazugekommen.

Individuelle Modelle

Damit die auch langfristig bleiben, bietet das Haus seinen Mitarbeitern günstige Wohnungen in der unmittelbaren Umgebung an, wie Ertel erklärt. Auch im Schichtdienst erprobt das Team neue, individuelle Modelle.

Dustin geht noch einen anderen Weg, Altersgenossen auf seinen Pfleger-Job aufmerksam zu machen: Der junge Mann rappt über die Höhen und Tiefen des Berufs. Seine Videos haben bis zu 60.000 Aufrufe auf YouTube.

Mittlerweile habe ihm bereits ein Kollege aus der Pflegebranche Geld geboten, wenn er in seinen Beiträgen Werbung für das Unternehmen macht. Dustin lehnte ab. Er habe sich mit dem Angebot nicht identifizieren können. Grundsätzlich könne er sich aber Kooperationen mit Heimen zum Beispiel für Stellenanzeigen vorstellen.

Von Carina Dobra (epd)