Studie: Viele Journalisten denken regelmäßig an Aufgabe des Berufs

Frankfurt am Main (epd).

Die digitale Transformation der Medienbranchen stellt Journalistinnen und Journalisten vor neue Herausforderungen und bereitet ihnen Sorge. Laut einer am 21. Juli veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung haben 60 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten wiederholt daran gedacht, ihren Job aufzugeben. Unter ihnen seien insbesondere jüngere Medienschaffende. Darüber hinaus habe jeder zehnte online Befragte angegeben, sogar einige Male in der Woche daran zu denken. Als Reaktion auf die Studie fordern Gewerkschaften bessere Arbeitsbedingungen für Journalistinnen und Journalisten.

Zeit-, Leistungs- und Wettbewerbsdruck erschwert die Arbeit von Medienschaffenden in Deutschland, wie die Meta-Studie zeigt. Neben Frustration und Unsicherheitsgefühlen hätten zudem viele von ihnen Sorge um die Sicherheit ihres Jobs. Auch sei ein stetiger Rückgang von Werbeeinnahmen und damit verbunden ein Anstieg der Personaleinsparungen in deutschen Medienhäusern zu beobachten, heißt es in der Studie. Dadurch steige die Belastung von Journalistinnen und Journalisten ebenfalls.

Im Rahmen von Leitfadeninterviews mit 20 hauptberuflichen Journalistinnen und Journalisten gaben den Angaben zufolge 37 Prozent an, dass die Belastungen zu einem Qualitätsverlust führen oder zukünftig führen könnten. Die Erkenntnisse aus den geführten Interviews dienten anschließend als Grundlage für einen Online-Fragebogen, der an 161 Journalistinnen und Journalisten gesendet wurde. Die Stichprobe ist nicht repräsentativ.

„Kurz vor kollektivem Burnout“

Mehrheitlich begegnen Journalistinnen und Journalisten den gravierenden beruflichen Herausforderungen der Studie zufolge sachorientiert. So hätten beispielsweise 90 Prozent angegeben, journalistische Werte und Qualitäten nach außen bewusst zu leben und zu verteidigen. 59 Prozent der Befragten gaben demnach an, den Herausforderungen mit einer noch sorgfältigeren Recherche entgegenzutreten.

Mit Blick auf die Ergebnisse der Studie fordern der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) und die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Medienschaffende. „Die Journalismusbranche steht kurz vor einem kollektiven Burnout“, warnte die dju-Bundesvorsitzende Tina Groll. Medienhäuser sollten sich um ein betriebliches Gesundheitsmanagement kümmern, das vor allem die psychische Gesundheit in den Fokus nimmt. Gute Arbeitsbedingungen seien nicht nur grundlegend für ein funktionierendes Mediensystem, sondern auch für die freiheitliche Demokratie.

Dass über die Hälfte der Befragten in den vergangenen Monaten daran dachte, den Job aufzugeben, ist laut dem DJV-Vorsitzenden Frank Überall ein „Alarmsignal für den ganzen Journalismus“. Die Personalchefs von Sendern und Verlagen müssten verstärkte Anstrengungen unternehmen, um den Arbeitsdruck zu senken, und die Journalisten professionell durch den digitalen Wandel begleiten, forderte er.