Studie: Differenzierte journalistische Berichterstattung über Corona

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gibt ein Statement vor Journalisten ab (Archiv-Bild).
Münster (epd)

Die klassischen Nachrichtenmedien haben laut einer Studie differenziert über die Corona-Pandemie berichtet. In dem Untersuchungszeitraum der ersten drei Monate des laufenden Jahres seien keine umfassenden Tendenzen zu unkritischer oder hysterischer Berichterstattung gefunden worden, teilte die Westfälische Wilhelms-Universität Münster am 2. Juni mit. "Die von Kritikern geäußerten Vorwürfe, dass es eine überwiegende Negativberichterstattung oder einseitige Panikmache gegeben hätte, können wir durch unsere Analysen nicht bestätigen", erklärte der Kommunikationswissenschaftler Thorsten Quandt.

Ein vierköpfiges Forscherteam unter Leitung von Quandt untersuchte mehr als 100.000 Facebook-Posts von 78 Nachrichtenmedien zwischen Anfang Januar und 22. März. Davon befassten sich rund 18.000 Beiträge mit der Lungenkrankheit Covid-19. Das Forscherteam hatte zuvor in einer Studie den Umgang sogenannter alternativer Medien mit dem Thema Corona untersucht, die sich als Gegenstimme zu journalistischen "Mainstream-Medien" verstehen und vor allem online aktiv sind.

Ähnlich wie diese alternativen Medien habe sich die Berichterstattung in den klassischen Massenmedien auf politisches Spitzenpersonal wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) konzentriert. Im Vergleich zu Veröffentlichungen in den alternativen Medien habe der Journalismus jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven über Corona berichtet. Dabei seien auch viele Themen aufgegriffen worden, die in den Alternativmedien kaum eine Rolle gespielt hätten. Als Beispiele nannte Quandt die Bereiche Sport und Kultur.

Auch über Falschmeldungen und Verschwörungstheorien hätten die klassischen Nachrichtenmedien berichtet. Im Gegensatz zu den alternativen Medien seien diese jedoch als solche eingeordnet und nicht selbst verbreitet worden. Vielmehr hätten Journalisten zahlreiche in der Öffentlichkeit kursierende Gerüchte und Meldungen als falsche Behauptungen entlarvt, betonte Quandt.