Große und kleine Geräte

s:27:"In der Ausstellung "On Air"";
In der Ausstellung "On Air"
"On Air": Ausstellung über 100 Jahre Radiogeschichte
Berlin (epd)

Mit einem Weihnachtskonzert vor 100 Jahren hat alles angefangen: Mitarbeiter der Reichspost in der Hauptfunkstelle auf dem "Funkerberg" in Königs Wusterhausen bei Berlin senden am 22. Dezember 1920 Sprachbeiträge, Moderation und Musik. Es erklingt "Stille Nacht, heilige Nacht" - die erste öffentliche Aussendung eines Radioprogramms in Deutschland. Anlass für das Berliner Museum für Kommunikation, 100 Jahre später der Radiogeschichte eine eigene Ausstellung zu widmen. Sie ist seit dem 2. Oktober zu sehen.

Das Museum kann dabei aus dem Vollen schöpfen. Die eigene, noch im 19. Jahrhundert begonnene Sammlung der heutigen Museumsstiftung Post und Telekommunikation bietet reichlich Exponate. Darunter etwa einen Zehn-Kilowatt Telefunken-Röhrensender aus den 1920er-Jahren. Der rund zwei Tonnen schwere Langwellensender aus Königs Wusterhausen wirkt heute ähnlich überdimensioniert wie die ersten Computer.

Propagandainstrument

Zu sehen sind rund 250 Exponate. Neben den technischen Grundlagen, den Anfängen des Rundfunks, über dessen Rolle in der NS-Zeit bis zur Neuordnung im geteilten und dann vereinten Deutschland vermittelt die Ausstellung "On Air" auch praktische Kenntnisse. Besucher können sich selbst als Radiomacher versuchen und ihr eigenes Radioprogramm moderieren. Zahlreiche interaktive Angebote machen den Rundgang für die ganze Familie interessant, wie Museumsdirektorin Anja Schaluschke bei der Präsentation betonte. Dem Massenmedium entsprechend und coronabedingt sollte es zur Eröffnung ein Audio-Streaming geben.

Neben einer chronologischen Darstellung widmet sich die Ausstellung in Themenräumen etwa der Frage "Wie kommt die Musik ins Radio?", es geht um Schall, Wellen, elektrische Signale, Sender und Empfänger. Aber auch die Rolle des Radios als Propagandainstrument im Nationalsozialismus und der Rundfunk im Kalten Krieg zwischen Ost und West wird präsentiert.

Erstes elektronisches Massenmedium

Bis ein Beitrag im Radio läuft, braucht es viele Zutaten und Experten: Redakteure, Journalisten, Künstler, Sprecher, Techniker. Sie erst bringen das Produkt "on air", auf Sendung, wie am Beispiel eines Originalstudios anschaulich erläutert wird. Für Enthusiasten und Design-Liebhaber präsentiert das Museum zudem 37 besondere Radio-Exponate, inszeniert von prominenten Radio-und Podcast-Stimmen.

Die Kuratoren Anne-Sophie Gutsche und Florian Schütz versprechen mit ihrer Ausstellung, "Erfolge, Brüche und Zukünfte des ersten elektronischen Massenmediums der Welt" zu beschreiben. Besucher dürfen sich am Austausch beteiligen, ihre Meinungen und Erfahrungen dokumentieren.

Das Museum für Kommunikation Berlin bietet nach eigenen Angaben vieles, um das Thema Kommunikation lebendig werden zu lassen: vom Rauchzeichen über die Rohrpost bis zur virtuellen Botschaft. Mit der Ausstellung "On Air", die bis zum 29. August kommenden Jahres zu sehen ist, hat sie ein wichtiges Medium hinzugefügt.

Von Lukas Philippi (epd)