Ein Lagerfeuer an Weihnachten

Höhepunkte des Fernsehprogramms an den Feiertagen
Frankfurt a.M. (epd)

Das Fernsehen ist schon seit geraumer Zeit nur noch in Ausnahmefällen ein Lagerfeuer, an dem sich die ganze Familie versammelt. Zu diesen Ausnahmen zählt die Weihnachtszeit. Während die Privatsender ihr Weihnachtsprogramm größtenteils mit Wiederholungen und TV-Premieren von Kinofilmen bestreiten, bieten ARD und ZDF an den Feiertagen viel Familienfreundliches.

Da sind zunächst einmal die ARD-Märchen. Der fünfzigste Film der Reihe "Sechs auf einen Streich", "Das Märchen vom goldenen Taler", wird am ersten Weihnachtsfeiertag um 13.50 Uhr gezeigt. Die Geschichte ist eine klassische Heldinnenreise: Seit ein Lumpensammler einst einen goldenen Taler gestohlen hat, ist dem Dorf Überall jegliche Lebensfreude abhandengekommen. Also macht sich das mutige Mädchen Anna Barbara (Valerie Sophie Körfer) auf den Weg, um die Münze zurückzuholen. Der verschlagene Unhold lässt sich zwar auf einen Handel ein, will sie aber natürlich übers Ohr hauen. Regisseur Cüneyt Kaya hat aus diesem Märchen ein optisches Ereignis gemacht.

Künstlerischer Höhepunkt

Die Hauptfigur des Films "Der starke Hans" (26. Dezember, 13.50 Uhr) ist dem Titel zum Trotz ebenfalls weiblich: Prinzessin Sarah soll den Lackaffen Herzog Egbert heiraten, liebt aber schon seit Kindheitstagen den starken Hans. Als sich Egbert mit der düsteren Hüterin des Waldes verbündet, stößt selbst die unerschrockene Sarah an ihre Grenzen. Bianca Nawrath verkörpert die junge Frau als ebenso attraktive wie kluge moderne Filmheldin, die dem Schurken sogar im Zweikampf trotzt.

Künstlerischer Höhepunkt des TV-Angebots an Weihnachten ist das biografische ARD-Drama "Louis van Beethoven" am 25. Dezember um 20.15 Uhr. Niki Steins zwei Stunden langer Film ist ein großes Werk, das Ludwig van Beethoven in drei Lebensphasen zeigt. Tobias Moretti verkörpert den alten Mann als unleidlichen Misanthropen, und bei den Darstellern für das achtjährige Wunderkind und den 16-jährigen jungen Mann sind Stein mit dem Jungpianisten Colin Pütz und Anselm Breisgott zwei echte Glücksgriffe gelungen.

Mit einem "Tatort" aus Ludwigshafen endet der besinnliche Teil des TV-Programms: Nach der Ermordung eines Clubbesitzers spricht alles für einen tödlichen Streit unter Konkurrenten, doch die Spur führt schließlich bis in höchste Landesregierungskreise. "Unter Wölfen" (26. Dezember, 20.15 Uhr) ist durchaus spannend, hat aber auch einige Schwächen.

Mehr Fernsehgottesdienste

Wem auch an Weihnachten der Sinn eher nach Unterhaltung steht, der braucht nicht auf Shows zu verzichten: Zum achten Mal in Folge zeigt das ZDF "Heiligabend mit Carmen Nebel". Gäste sind unter anderem Ireen Sheer, Rolando Villazón und Alfons Schuhbeck. Anders als gewohnt fällt in diesem Jahr allerdings die ebenfalls traditionelle "Helene-Fischer-Show" am Ersten Feiertag aus: Aufgrund der Corona-Beschränkungen gibt es keine aktuelle Show, stattdessen präsentiert die Sängerin die Höhepunkte ihrer Karriere.

Kinohighlight bei ProSieben ist am 25. Dezember "Ocean's Eight": In dem Spinoff der "Ocean's Eleven"-Trilogie plant diesmal eine weibliche Betrügertruppe um Sandra Bullock einen gewagten Coup.

Das kirchliche TV-Angebot ist wegen der Pandemie insbesondere an Heiligabend deutlich erweitert worden. ARD und ZDF übertragen jeweils eine evangelische Christvesper: das Erste um 16.15 Uhr aus Winsen an der Luhe, das Zweite um 19.15 Uhr aus Ingelheim. Der BR überträgt um 19.30 Uhr die Christmette mit Papst Franziskus aus Rom und das Erste zeigt um 23.20 Uhr eine Christmette in der Alten Kirche in Lobberich. Am ersten Feiertag überträgt das ZDF ab 10.45 Uhr einen katholischen Weihnachtsgottesdienst aus der Stiftskirche Rein in Österreich, gefolgt vom Weihnachtssegen des Papstes ("Urbi et Orbi") um 12 Uhr.

Bereits um 15.45 Uhr stimmt der Kinderkanal am Heiligen Abend auf das Weihnachtsfest ein. Der Kurzfilm "Paule und das Krippenspiel" basiert auf einer Vorlage von Kinderbuchautorin Kirsten Boie: Titelheld Paule, ein schwarzer Junge, soll beim Krippenspiel die Rolle des ebenfalls schwarzen Heiligen Königs Kaspar übernehmen, er würde aber viel lieber den Engel spielen.

Von Tilmann P. Gangloff (epd)