Von Gerhard Schröder gestiftetes Kirchenfenster darf eingebaut werden

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Markus Lüpertz und Gerhard Schröder im Juli 2021 vor dem umstrittenen Fenster.
Architekten-Erbe und Marktkirche Hannover einigen sich auf Vergleich
Celle (epd).

Das von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für die hannoversche Marktkirche gestiftete „Reformationsfenster“ darf eingebaut werden. Vor dem Oberlandesgericht in Celle einigten sich der Architekten-Erbe Georg Bissen und die evangelische Marktkirchen-Gemeinde am 30. November überraschend auf einen Vergleich. Danach verpflichtet sich die Marktkirche, neben dem von dem Künstler Markus Lüpertz entworfenen Fenster ein gut sichtbares Schild anzubringen, das auf den Wiederaufbau der zerstörten Kirche durch den Architekten Dieter Oesterlen (1911-1994) nach dem Zweiten Weltkrieg hinweist (AZ: 13 U 1/21). Mit dem Vergleich ging ein langer Kunststreit zu Ende, der schließlich auch gerichtlich ausgefochten wurde.

Bissen hatte gegen den geplanten Einbau des zwölf Meter hohen Buntglasfensters geklagt, weil es aus seiner Sicht den durch Oesterlen geschaffenen schlichten Raumeindruck entstellen würde. In erster Instanz hatte das Landgericht Hannover im Januar jedoch die Klage abgewiesen (AZ: 18 O 74/19). Auch Richter Matthias Wiese vom Oberlandesgericht Celle ließ bei der mündlichen Berufungsverhandlung durchblicken, dass das Selbstbestimmungsrecht der Kirche in diesem Fall höher zu gewichten sei als das Urheberrecht des Nachkriegsarchitekten. Er schlug deshalb eine gütliche Einigung vor.

„Großartige Einfachkeit“

Das neben dem Fenster angebrachte Schild muss dem Vergleich zufolge darauf hinweisen, dass Oesterlen durch seine Gestaltung die „großartige Einfachheit“ der spätgotischen Hallenkirche betont habe. „Dies ist ihm in bemerkenswerter Weise gelungen“, heißt es in dem verabredeten Text. Das Reformationsfenster sei nicht Teil dieser Konzeption. Alle Besucher seien eingeladen, den Innenraum auf sich wirken zu lassen.

Vertreter der Marktkirche und der Kläger Bissen reichten sich nach der Verhandlung die Hände. Marktkirchen-Pastor Marc Blessing sprach von einem „salomonischen Urteil“, das auch die Interessen der anderen Seite berücksichtige: „Der wunderbare Raum vom Oesterlen hält es aus, dass da auch dieses Fenster drin ist.“

Bissen sagte, er bleibe bei seiner Meinung, dass das Fenster den Raumeindruck zerstöre. „Ich bin aber realistisch genug zu sehen, was möglich ist und was nicht. Das Schild ist immerhin ein Trostpflaster.“

Fünf schwarze Fliegen

Das Buntglasfenster zeigt eine große weiße Figur, die den Reformator Martin Luther (1483-1546) darstellen soll, sowie andere Motive mit Bezug zur Reformation. Für kontroverse Diskussionen sorgen vor allem fünf große schwarze Fliegen, die für das Böse und die Vergänglichkeit stehen. Die Glasmanufaktur Derix im hessischen Taunusstein hat das Kunstwerk bereits fertiggestellt. Der Einbau solle voraussichtlich im kommenden Jahr vollzogen werden, hieß es aus der Gemeinde.

Die Kosten für den Bau des Fensters werden auf rund 150.000 Euro geschätzt. Schröder, Ehrenbürger von Hannover, hat sie bereits beglichen. Der 77-Järhrige wollte dafür Vortragshonorare weitergeben. Anlass für das Geschenk war das 500. Reformationsjubiläum 2017. Die im 14. Jahrhundert errichtete Marktkirche ist die größte und eine der ältesten Kirche in Hannover und gilt als ein Wahrzeichen der Stadt.