"Träume von Freiheit"

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Blick in die Dresdner Ausstellung
Meisterwerke der Romantik im Design von Daniel Libeskind
Dresden (epd).

Ein Vollmond in der Abendlandschaft, das Schwarze Meer vor einem aufkommenden Sturm, eine vom Blitz gespaltene Eiche - die Maler der Romantik haben in Landschaftsbildern ihre Sehnsucht nach Freiheit ausgedrückt. In einer deutsch-russischen Ausstellung im Dresdner Albertinum kann der Besucher in eine vergangene Epoche eintauchen.

Rund 140 Meisterwerke der Romantik, vorwiegend aus dem 19. Jahrhundert, sind zu sehen. Im Zentrum stehen Gemälde von Caspar David Friedrich, Alexei Gawrilowitsch Wenezianow, Carl Gustav Carus und Alexander Andrejewitsch Iwanow. Präsentiert wird die Ausstellung im Design des US-amerikanischen Stararchitekten Daniel Libeskind. Neben moderner Innenarchitektur wird aber auch mit zeitgenössischer Kunst ein Bogen in die Gegenwart gespannt.

Napoleon-Stiefel

Werke aus Russland und Deutschland würden in einem bisher einmaligen Dialog gezeigt, sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD), Marion Ackermann, am 30. September. Es sei wichtig, gerade aktuell über die Kunst Brücken zu bauen. Die Schau mit dem Titel „Träume von Freiheit. Romantik in Russland und Deutschland“ war im Sommer - mit rund 300 Werken - in der Moskauer Tretjakow-Galerie zu sehen und zog rund 60.000 Menschen an.

In Dresden komplettieren ausgewählte Objekte und Dokumente der Romantik die Schau, so etwa der Dirigierstab von Carl Maria von Weber, einem der wichtigsten Komponisten der Romantik, oder die Stiefel von Napoleon Bonaparte, die dieser vermutlich beim Russland-Feldzug 1812 trug. Aus Platzgründen werden im Albertinum weniger Gemälde gezeigt als in Moskau.

Es fehle aber keines der Hauptwerke, betonte die Direktorin des Dresdner Albertinums, Hilke Wagner. Zu sehen sind Porträts und vor allem zahlreiche Landschaften. Themen der Bilder sind unter anderem die Italien-Sehnsucht, Religion und die Freiheit der Kunst. Die Gemälde zeigten sowohl die Enge der Räume als auch die Weite der Natur und seien oft symbolhaft aufgeladen.

Die Ideen der französischen Revolution verbreiteten sich im 19. Jahrhundert über ganz Europa, gleichzeitig überzog Napoleon den Kontinent mit Krieg. Der Konflikt zwischen Einschränkung und Freiheit, Heimat und Wahlheimat, innerlichem Rückzug und Aufbruch zieht sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Das betont auch die laut Ackermann „hoch aufgeladene“ Architektur von Libeskind.

Kunst in Keilen, Nischen und auf schrägen Wänden

Die Grundidee sei, zwei Linien - in der Ausstellung die Wände für die Bilder - zu falten und ineinander zu verschränken, sagte Architekt Stefan Blach vom Libeskind-Büro in New York. So wird Kunst in Keilen, Nischen und auf schrägen Wänden präsentiert. Der Raum wird eng für intime Werke wie Kinderporträts und öffnet sich zum Beispiel für Landschaftsbilder.

Die Romantik gehe weiter, sagte der russische Kurator, Sergej Fofanow, auch in der Gegenwart. So gesehen fungierten die zeitgenössischen Werke, darunter ein Video mit Meeresrauschen, in der Ausstellung wie ein Kommentar. „Ohne die Träume von Freiheit wird es auch keine neue Kunst geben oder neue Impulse“, sagte Fofanow.

Die Schau basiert auf Werken der Tretjakow-Galerie in Moskau und des Dresdner Albertinums. Leihgaben kommen unter anderem aus der Hamburger Kunsthalle und der Eremitage in Sankt Petersburg.

Von Katharina Rögner (epd)