Rock'n'Roll-Pionier Peter Kraus wird 80

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Peter Kraus wird 80 Jahre alt.
Frankfurt a.M. (epd)

Er ist das Sinnbild des ewigen Jugendlichen: rote Pausbäckchen, gertenschlank in Jeans und mit vollem Haar. Noch immer tourt er, singt, tanzt und spielt die Gitarre. Die große Leidenschaft des Hobby-Rennfahrers sind schnelle Oldtimer, in freien Stunden malt er. Mit "Sugar Baby" hatte Peter Kraus 1959 seinen größten Hit. Am 18. März wird der Teenagerschwarm der 50er und frühen 60er Jahre und "deutsche Elvis" 80 Jahre alt.

Der Mann, der 1939 als Peter Siegfried Krausenecker in München geboren wurde, kriegt ihn noch hin, den lockeren Hüftschwung. Auch wenn er sich bei einer TV-Spielshow im Jahr 2017 bei einem Unfall schwer verletzte und sich die Schulter brach. Der Sohn eines österreichischen Regisseurs und Kabarettisten, der in München, Salzburg und Wien aufwuchs, ist ein international erfolgreiches Multitalent: Er ist Sänger, Schauspieler, TV-Showmaster, Musikproduzent und Drehbuchautor.

Start als Schauspieler

Schon als Schüler nahm Kraus Gesangsunterricht, belegte Schauspiel- und Stepkurse. Als 15-Jähriger startete er 1954 in der Rolle des Johnny in der Verfilmung des Erich-Kästner-Jugendromans "Das fliegende Klassenzimmer" seine Schauspielkarriere. Zwei Jahre später brachte er den amerikanischen Rock'n'Roll nach Deutschland - in weichgespülter Variante, mit witzig-braven deutschen Texten. 1956 wurde Kraus bei seinem erstem öffentlichen Konzertaufritt in München als Sänger entdeckt.

1957 landete der rastlose Entertainer mit der deutschsprachigen Version von Little Richards "Tutti Frutti" seinen ersten Hit. Darin besang er mit österreichischem Zungenschlag den Spaß am Tanzen: "So geht's jede Nacht, Rock'n'Roll hat uns verrückt gemacht". Peter Kraus wurde mit Songs wie "Mit Siebzehn", "Wenn Teenager träumen", "Tiger" oder "Kitty-Cat" zur Stimme einer Jugend, die sich im tristen und konservativen Nachkriegsdeutschland nach Lebensfreude, Liebelei und etwas Rebellion sehnte.

Der schlaksige Sänger galt als der "nette Junge von nebenan", dem man bedenkenlos die eigene Tochter für ein Samstagabend-Rendezvous anvertrauen konnte. 1959 war er der erste männliche Starschnitt im Jugendmagazin "Bravo". Mit der Sängerin und Schauspielerin Cornelia ("Conny") Froboess bildete der Künstler das Teenager-Traumpaar, das in harmlosen Schlagerfilmen wie "Wenn die Conny mit dem Peter" (1958) oder "Conny und Peter machen Musik" (1960) spielte. Mit einem Walzer - "Schwarze Rose, Rosemarie" (1961) verkaufte der stets gut gelaunte Musiker, der insgesamt mehr als 17 Millionen Tonträger absetzte, kurioserweise seine meisten Singles.

Der Österreicher Kraus legte einen Grundstein für die Entwicklung der deutschsprachigen Rockmusik, ebnete Stars wie Udo Lindenberg, Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Marius Müller-Westernhagen oder auch Nena und Helene Fischer das Feld. Selbstironisch erfindet sich Kraus, der Ende der 60er nach seiner Glanzzeit dem Popgeschäft zeitweise den Rücken kehrte, stets aufs Neue. In den 70er und 80er Jahren unterhielt er sein älter werdendes Publikum mit populären Fernsehmusikshows wie "Hallo, Peter", spielte auf Theaterbühnen und in Operetten, ging immer wieder auf Konzerttournee.

"Das ist jetzt definitiv meine letzte Tournee"

Sein Comeback als Rock'n'Roller der ersten Stunde erlebte Kraus 2004, als der Musikstil seinen 50. Geburtstag feierte. In einer ZDF-Abendsendung mit Moderator Thomas Gottschalk trat er mit Originalmusikern von Bill Haley auf, interpretierte dessen "Rock around the Clock" (1954) zur Begeisterung eines Millionenpublikums. Es folgten Schallplatten mit alten und neuen Titeln wie "Rock'n'roll Is Back", "I Love Rock'n'roll" und "Vollgas". Mit jungen Musikern nahm er für das Album "Zeitensprung" (2014) deutsche Hits im Stil der 50er Jahre auf.

Bereits 2014 kündigte Kraus seine erste Abschiedstournee unter dem Motto "Das Beste kommt zum Schluss" an. Ab Ende Oktober ist er auf einer Jubiläumstournee in 29 Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu erleben. "Das ist jetzt definitiv meine letzte Tournee", versichert der skandalfreie Künstler, der mit seiner Frau Ingrid im Herbst die Goldene Hochzeit feiert.

Auch wenn ihm weibliche Fans wohl nicht mehr das Auto mit Liebesbezeugungen vollschmieren werden wie vor fast 60 Jahren, dürften auch diesmal die Konzerthallen voll sein: Als ein authentischer Zeitzeuge der "wilden Fünfziger" spricht Kraus auch die Enkelgeneration an, die auf Rock'n'Roll, Schlager und Jazz steht.

"Wenn man macht, wozu man Lust hat, ist man erfolgreich", lautet das Lebensmotto von Peter Kraus. "Die Leute spüren das." Der Spaß an seiner Kunst habe ihn über all die Jahrzehnte jung für sein Publikum gehalten. Das Thema Tod und Endlichkeit blendet das einstige Teenie-Idol, das wechselweise am Luganersee in der Schweiz und auf seinem Weingut in der österreichischen Südsteiermark lebt, nach Möglichkeit aus. "Auf meinen Rennwagen habe ich mir ein '80' gemalt - mit dem Zusatz 'since 1939'. Ich lebe lieber so, als ob ich die 100 erreichen würde."

Von Alexander Lang (epd)