Neue Nationalgalerie in Berlin vor der Wiedereröffnung

Die Neue Nationalgalerie in Berlin
Die Neue Nationalgalerie in Berlin
Berlin (epd).

Die Neue Nationalgalerie in Berlin gilt als beispielhaft für moderne Architektur. Der zweigeschossige Flachbau mit dem scheinbar schwebenden Stahldach und der auffälligen Stahl-Glas-Fassadenkonstruktion am Kulturforum gegenüber von Philharmonie, Staatsbibliothek und Gemäldegalerie wurde von 1965 bis 1968 nach Entwürfen von Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) gebaut. Die bis Ende 2014 zu sehende Dauerausstellung präsentierte die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts, vor allem Werke der Klassischen Moderne. Im oberen, lichtdurchfluteten Bereich gab es immer wieder spektakuläre Sonderausstellungen moderner Kunst zu sehen, etwa Retrospektiven zu A.R. Penck (1988) und Gerhard Richter (2012).

Die Neue Nationalgalerie ist das einzige Bauwerk Mies van der Rohes, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland errichtet wurde. Das Gebäude gilt als sein architektonisches Vermächtnis. Der einstige Bauhaus-Direktor war 1938 in die USA emigriert.

Seit seiner Eröffnung 1968 wurde der Bau nie umfassend saniert. 2012 wurde das Büro des Stararchitekten David Chipperfield mit einer Grundinstandsetzung beauftragt. Die Neue Nationalgalerie wurde dazu Ende 2014 geschlossen. Die Arbeiten standen seitdem unter dem Motto „So viel Mies wie möglich“.

Die Wiedereröffnung nach mehr als sechs Jahren ist für diesen August vorgesehen, die offizielle Schlüsselübergabe erfolgt bereits am Donnerstag. Die Kosten für die umfassende Instandsetzung gibt das Bundesamt für Bauwesen und Raumordung mit rund 140 Millionen Euro an.

Chipperfield ist für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Staatlichen Museen zu Berlin, in deren Händen sich die Neue Nationalgalerie befindet, kein Unbekannter. Sein Berliner Büro leitete bereits den Wiederaufbau des 2009 eröffneten Neuen Museums in Berlin, in dem unter anderem die ägyptische Sammlung mit der Nofretete zu sehen ist. Nach Chipperfields Entwürfen wurde auch die James-Simon-Galerie, das Eingangsgebäude der Museumsinsel, errichtet. Dem Büro Chipperfield stand für die Nationalgalerie Dirk Lohan zur Seite, Architekt und Enkel Mies van der Rohes. Er war seinerzeit als noch junger Architekt als Projektleiter beim Bau vor Ort.

Zur Wiedereröffnung im August geht die Neue Nationalgalerie nach bisherigen Planungen gleich mit drei Ausstellungen an den Start. Vom 22. August an bis zum Herbst 2023 werden erstmals wieder die Hauptwerke der Klassischen Moderne aus der eigenen Sammlung gezeigt. Unter dem Motto „Die Kunst der Gesellschaft“ sind rund 250 Gemälde und Skulpturen aus den Jahren 1900 bis 1945 zu sehen; etwa Ernst Ludwig Kirchners „Potsdamer Platz“ von 1914, Otto Dix' „Die Skatspieler“ (1920), Lotte Lasersteins „Abend über Potsdam“ (1930) und Christian Schads „Sonja“ (1928).

Zeitgleich startet auch eine Präsentation mit filmischen und skulpturalen Werken der in Berlin lebenden Künstlerin Rosa Barba unter dem Motto „In a Perpetual Now“ (22.8.2021 bis 16.1.2022). Außerdem werden unter der Überschrift „Minimal/Maximal“ Arbeiten von Alexander Calder (1898-1976) gezeigt (22.8.2021 bis 13.2.2022).

Von Lukas Philippi (epd)