Mehr als nur Muse und Modell

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"Elisabeth Gerhardt mit Hut" (1906)
Macke-Ausstellung in Münster widmet sich der Ehefrau des Künstlers
Münster (epd).

Eines der bekanntesten Werke von August Macke (1887-1914) ist das Gemälde „Frau des Künstlers mit Hut“. Es ist 1909 auf seiner Hochzeitsreise entstanden und zeigt seine damals 21-jährige Ehefrau Elisabeth, geborene Gerhardt, mit ruhigem, selbstbewusstem Blick. Das Bild ist Herzstück der Ausstellung „August und Elisabeth Macke. Der Maler und die Managerin“ im Museum für Kunst und Kultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Münster, die das enge Verhältnis des Künstlerehepaares beleuchtet.

„Elisabeth Macke war mehr als nur Muse und Modell“, betont LWL-Kulturdezernentin Barbara Rüschoff-Parzinger. Als vielseitig interessierte und talentierte Frau habe sie nützliche Kontakte hergestellt, den Verkauf der Kunstwerke auch noch lange nach dem frühen Kriegstod ihres Mann gemanagt. „Sie war die einflussreiche Frau hinter dem Künstler.“

Leihgabe aus dem Kanzleramt

Der LWL-Museum in Münster besitzt nach eigenen Angaben eine der bedeutendsten Macke-Sammlungen und konnte die Ausstellung zum Großteil aus dem eigenen Bestand stemmen. Unter den 120 gezeigten Werken befinden sich zehn Leihgaben, darunter der 1912 entstandene „Entwurf für einen Wandteppich mit orientalischem Liebespaar“ aus dem Bundeskanzleramt in Berlin.

„August Macke hat seine Frau in zahlreichen Gemälden und Skizzen festgehalten, dadurch können wir den Besucherinnen und Besuchern einen spannenden Einblick in das Leben und die Stationen des Paares geben“, sagt Museumsdirektor Hermann Arnhold. Ein Raum beinhaltet hauptsächlich Porträts von Elisabeth Macke, an denen gut abzulesen ist, wie sich die Maltechnik ihres Mannes im Lauf der Jahre verändert und durch unterschiedliche Einflüsse weiterentwickelt hat.

Ein anderer Raum konzentriert sich auf den Freundeskreis, zu dem auch Franz Marc und dessen Frau Maria von der Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ zählten. „Freunde waren für August Macke sehr wichtig, und Elisabeth hat immer wieder dafür gesorgt, dass neue Kontakte entstanden und alte nicht verloren gingen“, sagt Kuratorin Tanja Pirsig-Marshall.

Von Tunesien begeistert

Elisabeth Macke wurde in eine wohlhabende Bonner Kaufmannsfamilie geboren. Auf dem Schulweg lernte sie 1903 August Macke kennen, 1909 heirateten sie. Da sich die junge Frau für Mode interessierte und eigene Kleider entwarf, inspirierte sie ihren Mann anfangs zu Gemälden von Modegeschäften. Um den Zeitgeist von damals einzufangen, haben die Ausstellungsmacherinnen das Schaufenster eines Hutgeschäfts nachgebaut.

Ab 1910 finden sich dann vermehrt Orient-Darstellungen in Mackes Werk. „Auch dies ist von seiner Frau inspiriert, die 1904 mit ihrer Familie Tunesien besuchte und begeistert war“, erzählt Kuratorin Anna Luisa Walter. Ein weiterer Schwerpunkt in der Sonderschau bis zum 5. September sind Mackes Skizzenbücher. Um möglichst viele Motive und diese auch großformatig zeigen zu können, werden die Skizzen an die Wand zu projiziert.

Zur großen Hauptausstellung läuft zeitgleich eine Macke-Ausstellung für Kinder ab drei Jahren. Sie heißt „August und das Zirkuspferd“ und stellt Mackes 1911 entstandene Zirkusbild „Kunstreiterin mit Clowns“ in den Mittelpunkt. Das ist in Münster nicht nur im Original zu sehen, sondern auch als großformatige Wandtapete. „Dieses Gemälde war für uns eine Steilvorlage, denn Macke liebte den Zirkus und hielt immer wieder Szenen aus der Manege fest“, erklärt Ingrid Fisch, die die Schau mit zusammengestellt hat.

Der Fokus liegt bei der Familien-Ausstellung auf Interaktivität. Gleich zu Beginn wird das Leben des Künstlers mit Illustrationen von Paul Butterer veranschaulicht, gefolgt von einem Raum, in dem die Besucherinnen und Besucher mithilfe von Overhead-Projektoren und bunten Folien mit Farben experimentieren können. Auch gibt es die Möglichkeit, eigene Zirkusbilder zu malen.

Von Helmut Jasny (epd)