"Impressionisten sind Kommunikationsgenies"

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Caillebotte-Gemälde "Paar beim Spaziergang" im Barberini-Museum.
Barberini-Museum präsentiert Werke der Impressionismus-Sammlung Hasso Plattners
Potsdam (epd)

Segelboote in Saint-Tropez, zusammengesetzt aus unzähligen kleinen Farbtupfern, Seerosen mit verschwimmenden Konturen, eine Winterlandschaft in fahlem Licht: Die neue Dauerausstellung des Potsdamer Barberini-Museums versammelt mehr als 100 Meisterwerke des Impressionismus in dem nachgebauten Palast am brandenburgischen Landtag. Allein 34 der Gemälde stammen von Claude Monet (1840-1926). Außerhalb von Paris seien damit nun nirgendwo in Europa mehr Werke des französischen Künstlers an einem Ort zu sehen, betont Direktorin Ortrud Westheider.

Seit dem 5. September ist die Ausstellung für Besucher geöffnet. Potsdam werde damit zu einem der weltweit wichtigsten Zentren impressionistischer Landschaftsmalerei, heißt es im Barberini-Museum. Das Haus biete mit der Ausstellung "Impressionismus - Die Sammlung Hasso Plattner" nun eine in Deutschland einmalige Kunstsammlung.

"Spüren den Wind auf der Haut"

Die Werke sind Dauerleihgaben des Software-Milliardärs und der Hasso Plattner Foundation. Plattner habe sich bei der Zusammenstellung seiner Sammlung unmittelbar von der Wirkung der Kunstwerke leiten lassen und sie nicht für Depots oder Safes gekauft, sagt Westheider: "Jetzt kann man sie öffentlich sehen." Ihr Vater wolle, dass sich andere Menschen an den Kunstwerken ebenso erfreuen können wie er selbst, sagt seine Tochter Stefanie Plattner, die dem Stiftungsrat angehört.

"Die Gemälde beziehen uns als Betrachter unmittelbar mit ein, wir spüren den Wind auf der Haut und die Temperatur des Wassers, wenn wir Monets Segelbooten auf der Seine zusehen", hat Hasso Plattner seine Leidenschaft für die Impressionisten zur Ausstellungseröffnung zusammengefasst: "Das schafft keine andere Kunst. Die Impressionisten sind Kommunikationsgenies."

Claude Monet, Camille Pissarro, Auguste Renoir und Alfred Sisley, die sich in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts als Gruppe zusammenfanden, hätten die Kunst mit lichtdurchfluteten Landschaften, die sich von den traditionellen Bildthemen ihrer Zeit befreiten, revolutioniert, heißt es in der Ausstellung. 1874 seien sie dann als "Impressionisten" bekanntgeworden, die mit Vorliebe in freier Natur malten und flüchtige Sinneseindrücke möglichst unmittelbar auf die Leinwand bannten.

"Hat nichts mit Idylle zu tun"

Das Malen der Impressionisten sei ganz auf die Sinne und den Augenblick gerichtet gewesen, betont Westheider: "Das hat nichts mit Idylle zu tun." Auch Arbeitsorte, darunter Häfen und ein Steinbruch, gehören zu den Motiven der Kunstwerke. Die Künstler hätten die Modernität der Hafenstädte herausgearbeitet, heißt es in der Ausstellung: "Künstliche Beleuchtung zeigt den neuen Takt des Warenumschlags an." Eine Nachtlandschaft des Hafens von Le Havre gehört zu den Exponaten. Darin hat Monet der Gasbeleuchtung einen frühen Platz in der Kunstgeschichte verschafft. "Er ist fasziniert von diesem künstlichen Licht", sagt Westheider.

Doch weit mehr Raum im Schaffen der Künstler nimmt das natürliche Licht ein, in Fluss-, Meer- und Gartenlandschaften, im Norden Frankreichs und im Süden. Viele Grüntöne und Gelbvarianten, Rosa, Violett und Blau miteingewoben, so hat Monet 1887 in dem Gemälde "Die Pappeln von Giverny" seine Eindrücke einer Allee festgehalten. Pappelreihen seien ein zentrales Motiv in Monets frühen Jahren in dem Ort gewesen, heißt es in der Ausstellung. Das Wandelbare im eigenen Garten zu zeigen, den Wechsel von Tages- und Jahreszeiten, sei eins der wichtigen Themen der Impressionisten geworden.

Ab November soll die Dauerausstellung für einige Monate durch eine weitere Impressionismus-Ausstellung ergänzt werden. Unter dem Titel "Aufbruch zur Avantgarde" werden dann auch Werke russischer Künstler zu sehen sein. Die Künstler, darunter Natalja Gontscharowa und Kasimir Malewitsch, hätten sich Ende des 19. Jahrhunderts von Themen und Malweise der französischen Impressionisten anregen lassen, betont das Museum. Aus dem impressionistischen Studium des Lichts hätten die Malerinnen und Maler, die später die russische Avantgarde bildeten, ihre neue Kunst entwickelt.

Von Yvonne Jennerjahn (epd)