Frankfurter Museum präsentiert Katastrophenfilme

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Katastrophenfilme im Deutschen Filmmuseum
Frankfurt a.M. (epd).

Das Deutsche Filmmuseum in Frankfurt am Main widmet sich Katastrophenfilmen und konfrontiert sie mit der wissenschaftlichen Realität. Die bis zum 9. Januar 2022 laufende Ausstellung „Katastrophe. Was kommt nach dem Ende?“, die Filmreihe und das Begleitprogramm beleuchteten, wie Filmschaffende einerseits und Wissenschaftler andererseits sich die endgültige Vernichtung vorstellten, sagte die Kuratorin Stefanie Plappert am 13. Juli. Die Ausstellung wurde in Kooperation mit der Frankfurter Senckenberg-Gesellschaft für Naturforschung konzipiert.

Die Schau schöpfe ihre Themen aus mehr als 300 Filmen, erläuterte Plappert. Dazu gehörten Hollywood-Blockbuster wie etwa „The Day After Tomorrow“, „Deep Impact“, „San Andreas“, aber auch Filme aus anderen Ländern. Der wohl schönste Film über den Weltuntergang sei „Melancholia“ (2011) des dänischen Regisseurs Lars von Trier, kommentierte Plappert. Spätestens seit einem Kurzfilm über den verheerenden Ausbruch des Vulkans Mont Pelée auf der Karibikinsel Martinique 1902 seien Katastrophenfilme fester Bestandteil der Filmgeschichte.

Sittengemälde ihrer Zeit

Ob Schiffsuntergang, Atomkrieg, Horrorwesen, außerirdische Bedrohungen, Terrorismus oder menschengemachte Klimakrise - Katastrophenfilme seien Zeugnisse des Standes der Technik und zugleich Sittengemälde ihrer Zeit, erläuterte Plappert. Filme wie „Die letzten Tage von Pompeji“ (Italien, 1959), „Der letzte Mensch der Erde“ (USA, 1964) oder „Briefe eines Toten“ (UdSSR, 1986) seien Stationen dieser Filmgeschichte. „Die Filme geben Antwort auf die Frage: Wovor haben die Menschen gerade am meisten Angst?“ Die Ausstellung illustriere die lange Geschichte künstlerischer Ausdrucksformen von mittelalterlichen Bildern der biblischen Apokalypse bis zu aktuellen Filmplakaten und Drehbüchern.

Die Konzeption der Schau folgt nach den Worten Plapperts „einem Storyboard eines Katastrophenfilms“. Das Publikum durchlaufe dessen Stadien - von den ersten Warnsignalen über den Ausbruch der Katastrophe und die folgenden Rettungsbemühungen der Betroffenen bis zur abschließenden Rettung mit der Aussicht auf einen Neuanfang. Zu sehen sind Filmausschnitte, Drehbücher, Setdesigns und Kinoplakate. Demgegenüber illustrieren Zeitschriften, Interviews mit Wissenschaftlern und Objekte, wie sich die Wissenschaft auf Katastrophen einstellt. Die Besucher werden durch Fragespiele mit QR-Codes einbezogen.

„Filme können Bewusstsein schaffen“

Die Ausstellung hätte eigentlich im vergangenen November eröffnet werden sollen, sagte die Direktorin des Deutschen Filmmuseums, Ellen Harrington. „Der Zufall Pandemie spielt uns ein bisschen in die Hände.“ Die aktuell gestellten Fragen: „Was passiert mit uns? Geht es weiter? Wie geht es weiter?“ seien auch die Fragen, die in Katastrophenfilmen gestellt würden. Sie könnten zu einer „neuen Achtung vor dem Leben“ führen, sagte Harrington.

Vier Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler hätten die ausgewählten Filme kommentiert und auf ihre Plausibilität überprüft, sagte die Direktorin des Senckenberg-Naturmuseum, Brigitte Franzen. Das von Menschen als Katastrophe verstandene plötzliche Ereignis „gebiert Wendepunkte - von Forschern Kipppunkte genannt“. Das Überschreiten dieser Grenzen löse Folgen aus, die die Natur nicht rückgängig machen könne. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Film und Realität sei die zeitliche Dimension. „Filme können aber ein Bewusstsein schaffen“, sagte Franzen.