Feuer, Eis und Shakespeare

Regisseur Roland Emmerich wird 65
Frankfurt a.M. (epd)

Die Beschreibung "Master of Desaster" mag er mittlerweile nicht mehr. Aber wahrscheinlich wird dieser klangvolle Name auf immer und ewig dem Regisseur Roland Emmerich anhaften, der am 10. November 65 Jahre alt wird. Denn schließlich hat er sich diesen Ruf mit seinen Katastrophenfilmen hart erarbeitet: Er hat das Weiße Haus von Außerirdischen spektakulär in Schutt und Asche legen und die Riesenechse Godzilla in New York wüten lassen. Und an globalen Katastrophen mussten es schon eine gigantische Sintflut und eine neue Eiszeit sein, die innerhalb weniger Stunden einsetzte.

Es sind oft Visionen, die auch vom Ende der Menschheit erzählen. Solche Szenarien lassen sich nur mit Hilfe einer avancierten Tricktechnik realisieren, die Emmerich wie kein zweiter einzusetzen weiß - und vor allem auch kostengünstig nutzt.

Emmerich, in Stuttgart geboren, begann in den späten 70er Jahren ein Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen in München. Und schon in seinem Abschlussfilm an der HFF, dem 1983 mit kleinem Budget realisierten "Das Arche Noah Prinzip", beeindruckten die visuellen Effekte. Es geht um zwei Astronauten auf einer Wetter-Raumstation, die sich gegen die Umfunktionierung für militärische Zwecke zur Wehr setzen. Dieses Debüt zeigt auch Emmerichs Faible für Science Fiction - das im deutschen Autorenfilm jener Jahre so etwas wie ein Genretabu bedeutete.

Angriff auf das Weiße Haus

Durch "Moon 1944" wurde 1990 dann Hollywood auf den Schwaben aufmerksam. Emmerich hatte den Film zwar in Deutschland gedreht, aber in Englisch und mit internationaler Besetzung. In Hollywood konnte er nach einer schwierigen Anfangsphase mit "Universal Soldier" (1992) seinen Durchbruch feiern, mit den Actionstars Jean-Claude Van Damme und Dolph Lundgren als übermenschliche Kampfmaschinen. Auch sein "Stargate" (1994) war ein bescheidener Erfolg: Ein Wissenschaftler findet ein Sternentor, mit dem man auf einen anderen Planeten transportiert werden kann.

Zu seinem fulminantesten Erfolg wurde aber "Independence Day" (1996), in dem feindlich gesonnene Aliens am 3. Juli nicht nur das Weiße Haus in Washington zerstören, sondern auch den Library Tower in L.A. und das Empire State Building in New York. Der Präsident kann sich gerade mal so retten, fliegt aber, als guter Vietnam-Veteran, den entscheidenden Angriff gegen die Aliens. Natürlich am 4. Juli, dem Nationalfeiertag in den USA.

Die Handlung ist hanebüchen, aber die Explosionen zünden auf der Leinwand formidabel. Und der Film zelebriert den Glauben an die Tatkraft des Einzelnen und den Zusammenhalt der Gruppe - ein Rückgriff auf uramerikanische Mythen. Sieht man den Film heute wieder, muss man ihm den Charme eines gigantischen B-Movies zugestehen.

Klimaneutrales Drehen

Viel seriöser ging es in dem Endzeitthriller "The Day After Tomorrow" (2004) zu - wahrscheinlich bis heute Emmerichs bester Film. Da sucht ein Klimaforscher, gespielt von einem großartigen Dennis Quaid, in der plötzlich hereingebrochenen Eiszeit seinen in New York festsitzenden Sohn. Bei diesem Film stimmt die Figurenzeichnung wie auch die emotionale Tiefe, sonst eher Schwachpunkte in Emmerichs Filmen.

Und in Sachen Klimaerwärmung kann man sich keinen prophetischeren Film vorstellen. Immer wieder wurde "The Day After Tomorrow" zitiert, als vor ein paar Wochen bekannt wurde, dass der Golfstrom an Intensität verliert. Und Roland Emmerich hat damals schon an klimaneutrales Drehen gedacht - und Zertifikate für neu zu pflanzende Bäume gekauft.

"Du musst lernen, die Studios auszutricksen. Sie wollen, dass du immer wieder den gleichen Film drehst", hat Emmerich mal in einem Interview gesagt. Seit den 2000ern versuchte er, von seinem Image als Katastrophenfilmer wegzukommen. "Anonymus" (2011) war ein Intrigendrama, situiert im Elisabethanischen Zeitalter, in dem es unter anderem auch um die Urheberschaft der Werke von William Shakespeare ging. Emmerich, der mit seinem Mann Omar de Soto in Los Angeles lebt, ließ dafür in den Studios von Babelsberg das Globe-Theatre nachbauen. In "Stonewall" (2015) beschäftigte er sich mit den Aufständen in der New Yorker Christopher Street 1969, wo Homosexuelle wiederholt willkürlichen Übergriffen der Polizei ausgesetzt waren.

Aber ganz flüchten vor dem Diktat der Studios konnte er dann doch nicht. 2016 kam eine Fortsetzung seines berühmtesten Films in die Kinos, "Independence Day: Wiederkehr", mit der er selbst übrigens nicht zufrieden war. Und für die Zukunft ist ein Reboot seines "Stargate" angekündigt.

Von Rudolf Worschech (epd)