Autorin Emcke: Corona-Kommunikation ist ein Debakel

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Carolin Emcke
Osnabrück (epd).

Die Philosophin und Autorin Carolin Emcke kritisiert die politische Kommunikation in der Zeit der Corona-Pandemie. Es fehle an Empathie und Aufmerksamkeit, sagte Emcke der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Die politische Ansprache, das öffentliche Erklären, Vermitteln, Werben um Zuspruch oder Mitwirkung, das Eingehen auf nachvollziehbare Verunsicherung - das, was demokratischen Diskurs ausmacht, das ist ein Debakel in Deutschland.“ Die politische Kommunikation sei eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen die Pandemie, sagte Emcke.

Auch in Talkshows werden nach ihrer Einschätzung keine Erkenntnisgewinne erzielt. „Es wäre wichtiger, über systematische Fragen der Pandemie zu sprechen: über das Verhältnis von Armut und Krankheit, über Anerkennung der Arbeit von Pflegeberufen, über die Lage von Frauen in der Corona-Krise.“ Zugleich lobte die Publizistin den Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach (SPD). „Meine Verehrung, auch und gerade wenn er sich mal irrt und sich dann wieder korrigiert. Bisweilen wirkt er wie der einzige Übersetzer der gesundheitspolitischen Fragen, auf den aber auch nicht gehört wird.“

Emcke stellte sich hinter die Schutzmaßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie: „Ohne Kontaktbeschränkung ist es nicht möglich, die Infektionszahlen so weit zu drücken, dass wir mit Testen und Nachverfolgen der Kontakte weiterkommen.“

Warnung vor China als Vorbild

Die Friedenspreisträgerin warnte eindringlich davor, in Zeiten der Pandemiebekämpfung autoritäre politische Modelle zu favorisieren und etwa China als Vorbild hinzustellen. „Die Pandemie birgt das große Risiko, dass Modelle wie das Chinas als erfolgreich daherkommen und damit autoritäre und totalitäre Methoden als vermeintlich effizientere legitimiert werden.“ In Wahrheit seien andere asiatische Länder, aber auch Neuseeland und Australien mit demokratischeren Mitteln erfolgreich. „Wenn wir in einigen Jahren noch einmal fragen, welche Länder wie gut durch die Krise gekommen sind, wird es auch um die demokratischen Kosten gehen. Die waren in China entsetzlich hoch.“

Die 1967 geborene Carolin Emcke tritt seit Jahren mit Büchern wie „Wie wir begehren“ und „Gegen den Hass“ für Toleranz und gegen rechte Strömungen in der Gesellschaft auf. Die Autorin wurde unter anderem 2016 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.