Aus Interesse am Menschen

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Lindbergh-Ausstellung im Kunstpalast
Fotograf Peter Lindbergh erzählt "Untold Stories" im Kunstpalast
Düsseldorf (epd)

Bevor er im September 2019 starb, hatte der Modefotograf Peter Lindbergh noch eine eigene Ausstellung selbst kuratiert. "Als ich meine Fotos das erste Mal an der Wand im Ausstellungsmodell gesehen habe, habe ich mich erschreckt, aber auch positiv", war seine Reaktion. "Es war überwältigend, auf diese Art vor Augen geführt zu bekommen, wer ich bin." Seit dem 5. Februar zeigt der Kunstpalast in Düsseldorf die Schau unter dem Titel "Untold Stories".

Die Ausstellung ist nach den Worten von Museumsdirektor Felix Krämer "die erste von Lindbergh selbst kuratierte Werkschau". Insgesamt rund 140 großformatige, teils riesige Schwarz-Weiß-Fotografien sind zu sehen. Dazu kommen einige wenige Farbfotos, darunter eines, das Models beim Krebsessen 2015 in Brooklyn zeigt.

Keine Starposen

Die Aufnahmen entstanden laut Krämer, der die Schau mit Lindbergh etwa zwei Jahre lang geplant und konzipiert hat, von den frühen 80er Jahren bis in die Gegenwart. So sieht man Bilder von weltberühmten Models wie Linda Evangelista, Christy Turlington, Naomi Campbell, Claudia Schiffer und Kate Moss. Auch berühmte Schauspielerinnen sind in der Ausstellung zu entdecken: etwa Milla Jovovich, Jeanne Moreau, Helen Mirren, Charlotte Rampling, Nicole Kidman und Antonio Banderas. Allen Aufnahmen ist gemein, dass sie die jeweiligen Prominenten nicht in Starpose, sondern ganz natürlich, wie nebenbei oder zufällig mit der Kamera erwischt, zeigen.

Die Ausstellung präsentiert auch Landschaftsbilder, etwa aus den Weiten Nevadas. Es sind kleine Stillleben, wie das Bild von einem Paar hochhackiger Schuhe in der Mojave-Wüste, und immer wieder Models und Schauspielerinnen in alten Fabrikhallen oder vor Hafen-Silhouetten in Brooklyn. Die Fabrikhallen kannte der 1944 in Polen unter dem Namen Peter Brodbeck geborene Fotokünstler aus Duisburg. Dorthin hatte es seine Familie - kriegsbedingt - verschlagen, und dort wuchs er auch auf. Nach einer Lehre als Schaufensterdekorateur folgte ein Studium der Malerei, eine erste Gemälde-Ausstellung 1969 in Krefeld.

"Pionierleistung"

Im Alter von 27 Jahren absolvierte er eine Ausbildung beim Düsseldorfer Werbefotografen Hans Lux. Zehn Jahre später hatte er als Modefotograf seinen internationalen Durchbruch und zog nach Paris. "In den 1980er Jahren erweitere Lindbergh die Bildsprache der Modefotografie - eine Pionierlistung, deren Nachwirkungen bis in die Gegenwart zu spüren sind", sagt Krämer.

Viele der in Düsseldorf ausgestellten Fotos waren zuvor noch nie zu sehen oder lediglich in Mode-Zeitschriften abgebildet. Sie erzählen in ihrer Hängung im Kunstpalast oftmals kleine Geschichten oder auch Tagesabläufe. Immer steht laut Krämer "Lindbergs Interesse am Menschen im Vordergrund". Große Textpassagen, wie häufig in Ausstellungen üblich, gibt es nicht. Die Bilder wirken durch sich selbst.

Die Ausstellungsmacher in Düsseldorf erwarten bis zu 80.000 Besucherinnen und Besuchern. Die Schau entstand in Kooperation mit dem Peter Lindbergh Studio in Paris. Nach Ausstellungsende am 1. Juni wird sie auch im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg (ab 21. Juni), im Hessischen Landesmuseum Darmstadt (ab 4. Dezember) sowie im Museo d'Arte Contemporanea Donnaregina im italienischen Neapel (ab März 2021) zu sehen sein.

Von Andreas Rehnolt (epd)