Als die Kunst die Geometrie entdeckte

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Georges Braque: Portugiese (1911/12)
Düsseldorf (epd).

Er stand im Schatten von Pablo Picasso: Der französische Maler Georges Braque gilt als unterschätzter Wegbereiter der modernen Malerei. Braque (1882-1963) hatte mit Picasso vor dem Ersten Weltkrieg den Kubismus entwickelt und damit auf Gemälden und Collagen Menschen, Gegenstände und Landschaften in geometrische Flächen aufgeteilt. 61 seiner Werke aus den Jahren 1906 bis 1914 zeigt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen bis zum 23. Januar in einer neuen Ausstellung.

Braque habe in dieser Zeit mit Pablo Picasso in einem „Quantensprung der Malerei“ eine neue Sicht auf die Welt entwickelt, sagte Museumdirektorin Susanne Gaensheimer am Donnerstag. Beide seien dabei von technischen Entwicklungen ihrer Zeit inspiriert worden: Flugzeuge, Autos aber auch Hochhäuser und das Kino hätten neue Eindrücke von Landschaften, Gegenständen und Menschen gezeigt. Die Malerei fand mit dem Kubismus, der Aufteilung der Gegenstände in geometrische Figuren, dann eine eigene Bildsprache, die später zur Abstraktion führte.

Auflösung der realen Formen

Braque gelte als „Wegbereiter der modernen Malerei“, weil kaum ein Künstler so konsequent die Entwicklung vom Impressionismus über den farbstarken Fauvismus zur Auflösung der realen Formen im Kubismus vollzogen habe, sagte Kuratorin Susanne Meyer-Büser. Neben dem extrovertierten, schon früh berühmten Picasso werde Braque zu wenig beachtet. Ihm seien aber die Ideen und intellektuelle Grundlage der neuen Kunstrichtung zu verdanken. Picasso habe das auch anerkannt.

Beide verband nach Worten der Kuratorin eine intensive Freundschaft vor dem Ersten Weltkrieg. Nicht zuletzt Witz und Humor habe ihre gemeinsamen Bilder geprägt, die sie oft nicht mehr einzeln signierten. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem Braque verwundet wurde, endete die Freundschaft aber, heißt es in der Ausstellung, die die Zeitumstände in vielen Wandbildern und Beschreibungen deutlich macht.

Cezanne-Ausstellung war Schlüsselerlebnis

Georges Braque wurde 1882 in eine Familie von Dekorateuren geboren. Im Jahr 1900 kam er nach Paris. Eine Ausstellung des impressionistischen Malers Paul Cezanne 1907 gilt als Schlüsselerlebnis des damals 25-jährigen Braque. Danach habe er sich intensiv mit Formen, Farben und neuen Gestaltungsmöglichkeiten beschäftigt. „Er war der erste, der Gegenstände des Alltags in Collagen einfügte“, erläuterte Meyer-Büser. Das sei für die Entwicklung der Malerei der Vorkriegszeit „essentiell“ gewesen.

Eine der Inspirationsquellen sei auch das Kino mit den Nahaufnahmen, schnelleren Schnitten und Schwenks über die Landschaft gewesen. Allerdings hätten Maler es als Zeitvertreib für die Menschen und damit auch als Konkurrenz empfunden: „Die Leute gingen am Sonntagnachmittag ins Kino und nicht in eine Ausstellung“, so die Kuratorin. Als Anregung für seine Bilder habe Braque die neue Kunstform aber geschätzt. Er selbst habe sich nach einer Phase farbintensiver Malerei auf Braun-, Grün-, Blau- und Grautöne konzentriert, die seine kubistischen Bilder unverwechselbar machen.

Über Braques Leben sei wenig bekannt, sagte die Kuratorin der Schau. Braque arbeitete nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende der Freundschaft mit Picasso weiter als Künstler, beteilige sich in den 50er Jahren an der documenta in Kassel. Er starb 1963 und erhielt, so Susanne Gaensheimer, als einziger der französischen Maler seiner Zeit ein Staatsbegräbnis.

Von Irene Dänzer-Vanotti (epd)