Neuer Berliner Bischof will für die Welt aktiv sein

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Christian Stäblein (l.) folgt Markus Dröge
Berlin (epd)

"Sundays and always for Future" - so beschreibt Christian Stäblein am Tag der Bischofswahl in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die aktuellen Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft. Die Welt sei von Umbrüchen geprägt, betont der Theologe. Die Kirche müsse dort ein Miteinander stiften, in dem Vertrauen herrscht, auch unangenehme Fragen anpacken und in Ecken gehen, in die Gesellschaft und auch Kirche "nicht gerne hingucken".

Am 5. April wurde der 51-jährige gebürtige Niedersachse vom Kirchenparlament in Berlin zum Bischof und Nachfolger von Markus Dröge gewählt, im November übernimmt er das Amt. Bereits im zweiten Wahlgang erhielt der Theologe, der seit gut dreieinhalb Jahren Propst der Landeskirche und theologischer Leiter des Konsistoriums in Berlin ist, die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit der Synode. Das Kirchenparlament antwortete mit langem Applaus auf die Bekanntgabe des Wahlergebnisses.

Kirchengemeinden besuchen

Die Themen, die er bei seinen Fahrten durch die Landeskirche und bei Terminen in den Gemeinden bereits bearbeitet hat, reichen von Abendmahlsfragen bis hin zu Argumenten für das Ja zur Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. "Ich möchte sofort wieder raus", sagt er zu seinen Plänen für die erste Zeit im künftigen Bischofsamt. Es sei wichtig, dann die Kirchengemeinden in der Fläche zu besuchen.

Christian Stäblein wurde am 1. November 1967 in Bad Pyrmont geboren und ist in Hannover aufgewachsen. Seine Mutter war eine der ersten Pfarrerinnen der hannoverschen Landeskirche, doch ihn zog es zunächst zum Jurastudium. Erst dann kam die Entscheidung für die kirchliche Laufbahn. Nach Studien der evangelischen Theologie, Judaistik, Philosophie, Geschichte und Rechtswissenschaften in Göttingen, Berlin und Jerusalem wurde er im Jahr 2000 zum Pfarrer ordiniert und zwei Jahre später mit einer Dissertation zum Thema "Predigen nach dem Holocaust" promoviert. Ab 2008 war er Studiendirektor des Predigerseminars im Kloster Loccum. Christian Stäblein ist verheiratet und hat vier Kinder.

"Volkskirche"

Ein Bischof müsse ein "Hingucker" sein, der "in der Welt und für die Welt" aktiv sei, sagt Stäblein. Er sei einer, der gerne auf Menschen zugeht und leidenschaftlich predigt, sagt er über sich selbst: "Ich halte gerne zusammen." Er stehe dafür, dass die Kirche "Volkskirche mit allen für alle bleiben" soll, betont er: "Ich will mitnehmen."

"Klare Kante gegen die Angst" lautet Stäbleins Antwort auf Rechtspopulismus. Ein "Aufflammen von Judenfeindschaft" dürfe nicht hingenommen werden, betont er mit Blick auf wachsenden Antisemitismus und sieht sich zugleich in der Verantwortung für ein gutes interreligiöses Miteinander. Die Friedenskräfte vor allem der drei abrahamitischen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam müssten gestärkt werden, sagt der Theologe.

Dass die Bischofswahl so schnell gehen würde, habe er nicht erwartet, sagt Stäblein: "Ehrlich gesagt, ich habe mit überhaupt nichts gerechnet." Vom klaren Wahlergebnis sei er "außerordentlich überwältigt" und freue sich über das große Vertrauen.

Von Yvonne Jennerjahn (epd)