Marx: "Wir machen ein Experiment"

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Protest vor Beginn der Synodalversammlung zum Synodalen Weg
Katholische Bischöfe und Laien beginnen mit Reform-Beratungen in Frankfurt
Frankfurt a.M. (epd)

Zum Auftakt des innerkatholischen Reformprozesses hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, die Notwendigkeit von Veränderungen betont. Die Kirche brauche einen Neuanfang, sagte Marx am 30. Januar im Gottesdienst vor Beginn der Beratungen von katholischen Bischöfen und Laien. Doch ein Neubeginn sei nicht möglich, ohne auf die Fehler und Sünden der Vergangenheit zu schauen. Der Missbrauchsskandal bedeute eine Krise für die Kirche. "Doch das muss uns in Gang bringen", sagte der Münchner Erzbischof im Frankfurter Bartholomäus Dom.

Marx äußerte den Wunsch, dass der sogenannte Synodale Weg das Profil der Kirche schärft. Der Reformprozess solle mithelfen, die Glaubwürdigkeit der Kirche wiederherzustellen, die durch den Missbrauchsskandal verloren gegangen sei, sagte der Kardinal vor Journalisten. Ausgangspunkt für den auf zwei Jahre angelegten Reformdialog ist die Missbrauchsstudie aus dem Jahr 2018. Marx warnte aber vor zu großen Erwartungen an die Beschlüsse des Gremiums. "Wir sind kein Parteitag und keine gesetzgebende Versammlung", sagte er.

Hohe Erwartungen

Das erste Treffen der 230 Teilnehmer des Synodalen Wegs dauert bis zum 1. Februar. In der Synodalversammlung treffen sich katholische Bischöfe und Laienvertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Sie beraten über mögliche Reformen in vier Bereichen: Macht und Gewaltenteilung in der Kirche, priesterliche Lebensformen und Pflichtzölibat, katholische Sexualmoral und die Rolle der Frau in der Kirche. Der Reformdialog ist ein kirchenrechtliches Unikat. "Wir machen jetzt ein Experiment", sagte Marx.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, hofft darauf, dass die Kirche nach Ende des Synodalen Wegs deutlich partizipativer wird. Die Erwartungen an den Synodalen Weg seien hoch, sagte Sternberg in einer Ansprache an die Delegierten nach der Eröffnungsmesse. "Werden wir ihnen gerecht. Beweisen wir die Kraft zum gemeinsamen Handeln."

Die Betroffenenvereinigung "Eckiger Tisch" forderte vor Beginn der Synodalversammlung eine Neuregelung der Entschädigungsleistungen für Opfer sexualisierter Gewalt in der Kirche. Der Sprecher der Vereinigung, Matthias Katsch, kritisierte, dass die katholische Deutsche Bischofskonferenz bislang nicht über Vorschläge von Betroffenen entschieden hat.

Demonstration vor dem Dom

"Der Synodale Weg kann nicht begonnen werden, während die Opfer draußen vor der Tür stehen und noch auf eine Antwort warten", sagte er. Auf der Herbst-Vollversammlung der Bischöfe im September hatte Katsch zwei mögliche Modelle für eine Neuregelung vorgestellt: Ein Modell sieht eine pauschale Entschädigungszahlung in Höhe von 300.000 Euro vor, ein anderes individuelle Entschädigungen zwischen 40.000 und 400.000 Euro im Einzelfall.

Marx kündigte an, die Bischofskonferenz wolle auf ihrer Frühjahrs-Vollversammlung über die Frage der Entschädigungsleistungen beraten. Er hoffe, dass man in diesem Jahr noch zu einer Neuregelung finde. Er werde sich dafür einsetzen.

Die Frauenbewegung "Maria 2.0" forderte eine neue Art der Gemeindeleitung für katholische Gemeinden, die eine stärkere Beteiligung von Frauen ermöglicht. "Ein Frauenpriestertum ist nicht unser Ziel", sagte Monika Humpert von "Maria 2.0". Die Frauenbewegung demonstrierte am Nachmittag vor dem Frankfurter Dom. "Maria 2.0" und die Betroffenenvertretung "Eckiger Tisch" sind nicht in der Synodalversammlung vertreten.