Kirchen erleichtert über Anerkennung des Genozids an Herero und Nama

Hannover, Bonn (epd).

Die beiden großen christlichen Kirchen zeigen sich erleichtert über die Anerkennung der deutschen Kolonialverbrechen in Namibia als Völkermord. „Nach Jahren der Versöhnungsarbeit und Aufarbeitung der Kolonialzeit in Politik, Kirche, Mission und Wissenschaft bin ich sehr froh, dass auf die Bitte um Vergebung nun konkrete Taten der deutschen Außenpolitik folgen“, sagte die Auslandsbischöfin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Petra Bosse-Huber, am 28. Mai.

Der katholische Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer sagte als Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax, das Abkommen sei „ein ermutigendes Beispiel beim Umgang mit dem toxischen kolonialen Erbe“. „Das wahrhaftige Anerkennen von Schuld und Verantwortung macht den Weg frei für weitere Schritte der Zusammenarbeit und der Versöhnung“, erklärte er.

Die Folgen der Kolonialgeschichte prägten viele Gesellschaften sowie die internationalen Beziehungen nachhaltig. „Sie stellen oftmals eine empfindliche Störung unserer gemeinsamen Handlungsfähigkeit dar. Eine aufrichtige und selbstkritische Auseinandersetzung mit dieser komplexen Geschichte ist eine Voraussetzung für den Aufbau vertrauensvoller Beziehungen“, sagte der Hildesheimer Bischof.

Keine rechtlichen Ansprüche

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte zuvor mitgeteilt, dass Deutschland seine Kolonialverbrechen in Namibia als Völkermord anerkenne. Deutschland will künftig einen Fonds in Höhe von 1,1 Milliarden Euro gründen zur Förderung von Wiederaufbau und Entwicklung. Rechtliche Ansprüche leiteten sich aus der Anerkennung des Genozids nicht ab, betonte Maas. Bosse-Huber sagte: „Wir hoffen sehr, dass gerade diese Initiative jetzt der relativen jungen Bevölkerung in Namibia helfen wird, soziale Gerechtigkeit zu erleben und gute Bildungschancen zu haben.“

Zwischen 1904 und 1908 hatten deutsche Kolonialtruppen Aufstände der Herero, Nama und Damara im damaligen Deutsch-Südwestafrika brutal niedergeschlagen. Der Befehlshaber Lothar von Trotha erteilte einen Vernichtungsbefehl. Mehr als 80.000 Menschen wurden getötet oder verdursteten in der Wüste. Historiker bezeichnen diese Gräueltaten als „ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts“.