Schillernd und umstritten: Südafrikas Ex-Präsident Zuma wird 80

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Jacob Zuma (2012)
Frankfurt a.M., Pretoria (epd).

Als junger Mann wurde Jacob Zuma eingesperrt, weil er gegen die Apartheid kämpfte. Nun wird Zuma 80 - und sitzt wieder im Gefängnis, dieses Mal wegen Missachtung der Justiz in einem Korruptionsverfahren. Der frühere Präsident ist eine der schillerndsten und umstrittensten Persönlichkeiten der südafrikanischen Politik - mit einem ungewöhnlichen Aufstieg und einem spektakulären Fall.

Zuma wurde am 12. April 1942 in Nkandla in den Hügeln von Nord-Natal im Osten Südafrikas geboren. Als Junge hütete er das Vieh seines Großvaters. Weil es im Dorf, in das seine Mutter nach dem Tod des Vaters mit ihm gezogen war, keine Schule gab, habe er sich in den ersten Jahren mit Schulbüchern von Altersgenossen selbst Lesen beigebracht, sagte Zuma vor einigen Jahren in einem Gespräch mit Grundschülern. Zuma sollte nie einen Abschluss machen und war damit einer der wenigen Staatschefs ohne formale Schulbildung.

Sabotageakte gegen das Apartheid-Regime

1959, im Alter von 17 Jahren, trat er dem Afrikanischen Nationalkongress (ANC) bei und schloss sich ein Jahr später - als der ANC verboten wurde - dessen bewaffnetem Flügel uMkhonto we Sizwe (MK) an. Zuma war an Sabotageakten in Natal gegen das Apartheid-Regime beteiligt und wurde für militärisches Training im Ausland ausgewählt. Als die Pläne aufflogen, wurden er und zahlreiche weitere Mitglieder bei der Ausreise festgenommen. Zuma wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt, die er teilweise mit Nelson Mandela auf der Gefängnisinsel Robben Island absaß.

Nach dem Ende der Apartheid und dem Sieg des ANC bei den ersten demokratischen Wahlen 1994 begann der politische Aufstieg. Zuma wurde 1997 stellvertretender Parteivorsitzender und kurz darauf Vizepräsident unter Thabo Mbeki. Schon bald wurden jedoch Beschuldigungen wegen Korruption und der Zahlung von Schmiergeldern in einem Waffengeschäft laut. 2005 musste sich der Politiker außerdem wegen einer mutmaßlichen Vergewaltigung einer HIV-positiven Familienfreundin vor Gericht verantworten. Zuma wurde freigesprochen, von dem Fall aber noch lange verfolgt, nachdem er erklärt hatte, durch das Duschen nach dem Geschlechtsverkehr das Risiko einer HIV-Infektion gemindert zu haben.

Gescheiterte Amtszeit

2009 wurde Zuma trotz der Skandale zum Präsidenten gewählt. Er war wegen seiner Volksnähe und seines Sinns für Tradition bei großen Teilen der Bevölkerung beliebt, verstrickte sich jedoch immer weiter in einem Netz von Beschuldigungen von Vetternwirtschaft und Korruption. Seine Regierungszeit wurde von zahlreichen Skandalen überschattet und immer wieder mit dem Attribut gescheitert bedacht.

Nicht nur Korruption, sondern auch die hohe Gewaltrate, Angriffe auf Ausländer, Arbeitslosigkeit, Armut, Ungleichheit und interne Spaltung in Südafrika und im ANC bekamen seine Regierungen nicht in den Griff. 2018 - nachdem die Polizei bei Korruptionsermittlungen das Haus von Vertrauten Zumas durchsucht hatte - wurde der Druck schließlich so groß, dass der Präsident vom Amt zurücktrat.

Keine Reue

Im vergangenen Jahr wurde Zuma in einem laufenden Korruptionsverfahren zu 15 Monaten Haft verurteilt, weil er sich geweigert hatte, vor einer Untersuchungskommission auszusagen. Seit Juli sitzt der Ex-Präsident deshalb im Gefängnis, zeigt jedoch keine Reue oder Einsicht. Nach der Verurteilung verglich er die Justiz mit Zuständen zur Zeit der Rassentrennung. „Südafrika rutscht schnell in die Herrschaft der Apartheid zurück“, sagte er.

Selbst in der Haft provoziert Zuma noch. Nach dem Ausbruch des Kriegs in der Ukraine veröffentlichte er über seine Stiftung Anfang März eine dreiseitige Erklärung, in der er den russischen Präsidenten Wladimir Putin als „Mann des Friedens“ bezeichnete und die Ursache für den Konflikt bei westlichen Ländern suchte. Zuma scheint entschlossen, seine Position als einer von Südafrikas umstrittensten Politikern verteidigen zu wollen.

Von Benjamin Dürr (epd)