Mahner für mehr als eine Generation

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Erhard Eppler 2007 beim evangelischen Kirchentag in Köln.
Der SPD-Politiker Erhard Eppler ist tot
Frankfurt a.M. (epd)

Wenn Erhard Eppler sprach, ruhig und eindringlich, spürte man trotz seines hohen Alters stets seine Vitalität, die Kraft seiner Worte und einen wachen Geist. Der SPD-Politiker und Pionier der Entwicklungspolitik mischte sich auch hochbetagt weiter ein: Er hielt Reden und Vorträge, gab Interviews und veröffentlichte Artikel in Zeitungen. Am 19. Oktober ist Eppler im Alter von 92 Jahren in seiner Wahlheimat Schwäbisch Hall gestorben.

Eppler bediente sich traditioneller Methoden: "Wenn ich schreibe, ist mir die Schreibmaschine und das Handschriftliche lieber als der Computer", bekannte er auf seiner Homepage. Mit dem Medium Internet habe er nur "am Rande" zu tun. Dafür äußerte er sich in dort abgelegten Texten noch bis 2016 zu aktuellen Themen.

Eppler blickte auf ein langes, politisches Leben und großen Erfahrungsschatz zurück: Schon als Elfjähriger sei er politisch "erwacht", schrieb er in seiner Biografie "Links leben - Erinnerungen eines Wertkonservativen". Damals hatte er, gab er später zu, die Bewunderung für Hitler geteilt, "die damals üblich war". Der erklärte nach dem Münchner Abkommen und dem Einmarsch der Wehrmacht im Sudetenland, das Deutsche Reich habe keine territorialen Ansprüche mehr - und ließ später seine Truppen in Prag einmarschieren. "Da hat er gelogen", war dem Jungen damals sofort klar.

Entwicklungspolitische Pionierarbeit

Nach dem Krieg engagierte sich Eppler zunächst mit Gustav Heinemann in der Gesamtdeutschen Volkspartei und trat 1956 in die SPD ein. Er arbeitete als Gymnasiallehrer, bevor er 1961 als Abgeordneter für die Sozialdemokraten in den Deutschen Bundestag einzog. 1968 berief ihn Kanzler Willy Brandt, den er sehr bewunderte, zum Entwicklungsminister - ein Politikfeld, das für Eppler neu war, in dem er aber rasch Maßstäbe setzte. Schon damals warnte er, dass Europa in wenigen Jahrzehnten einem hohen Einwanderungsdruck ausgesetzt sein würde, wenn nicht mehr für die Entwicklung Afrikas getan werde.

Seine entwicklungspolitische Pionierarbeit wird heute gelobt, doch damals ließ Bundeskanzler Helmut Schmidt seinen Etat kürzen. Eppler gab sein Amt 1974 entnervt auf. Die beiden blieben Gegenspieler: Eppler engagierte sich in den 1970ern für Umweltschutz; "Ende oder Wende" war der Titel eines Buches, in dem er eine ökologische Politik und Grenzen des Wachstums beschrieb. Schmidt hielt davon nichts. Und während der Kanzler für die Nachrüstung mit Atomraketen warb, engagierte sich Eppler in der Friedensbewegung.

Auch ohne ein weiteres Amt in der Regierung hatte Eppler großen Einfluss auf das Programm der SPD, deren Grundwertekommission er von 1973 bis 1992 leitete. Im Bundesvorstand der Partei war er von 1970 bis 1991. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass die SPD 1986 den Atomausstieg beschloss.

Präsident des Kirchentags

Als überzeugter Christ engagierte sich der scharfe Analytiker immer auch in der Kirche. Von 1968 bis 1984 gehörte er der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an, 1981 bis 1983 und 1989 bis 1991 war er Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Über sein Privatleben verriet Eppler auf seiner Homepage nichts. Dabei war er ein Familienmensch. Mit seiner Frau lebte er auf dem Friedensberg in Schwäbisch Hall. In einem Radiointerview erklärter er einst, dass er sie bereits in jungen Jahren geküsst habe. "Das war, als ich acht war und sie sechs. Da haben wir als Kinder Hochzeit gespielt."

Seine Lieblingsbeschäftigung im Alter war das Gärtnern: Eppler pflanzte Kartoffeln, Tomaten, Äpfel und Salat an. Glück bedeutete für ihn, "wenn eines meiner sechs Urenkel auf mich zu krabbelt". Als Christ, offenbarte Eppler in einem Interview mit der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt", glaube er, "dass es geistige Kräfte gibt, zu denen wir keinen direkten Zugang haben". Aber wie das aussehe, wisse er nicht. Eppler: "Vom Himmel habe ich keine Vision. Ich bin neugierig."

Von Michael Ruffert (epd)