Bittere Bananen

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Entwicklungsminister Müller beim Besuch der Bananenbauern in Mexiko
Entwicklungsminister Müller fordert faire Preise für Bauern in Mexiko
Ejido Miguel Alemán (epd)

Im Süden Mexikos baut eine bäuerliche Gemeinschaft Bananen für den Weltmarkt an. Entwicklungsminister Müller schaut sich das an. Er will den Verbrauchern in Deutschland klar machen: Ungerechte Preise bedeuten Ausbeutung - in Mexiko und weltweit.

Die Rechnung, die Carlos Jimenez Cruz aufmacht, ist einfach. Etwa 110 Pesos bezahlt der Multi Chiquita der bäuerlichen Gemeinschaft des mexikanischen Bauern für einen Karton Bananen. Das sind, wenn der Wechselkurs günstig steht, knapp fünf Euro. Davon müssen die Bauern 80 Pesos an Unkosten abziehen. Bleiben also 30 Pesos. Sprich: 1,40 Euro für 18 Kilo Bananen - ein Preis, der in keinem Verhältnis zu der aufwendigen Arbeit steht.

Hier im Süden Mexikos, nur wenige Kilometer von der guatemaltekischen Grenze entfernt, lässt das feuchtheiße Klima Tropenfrüchte aller Art gedeihen. Auf 310 Hektar Boden baut die Gemeinschaft des Projekts "Ejido Miguel Alemán" Bananen an. Ausgedehnte Plantagen säumen die Straßen in die Dörfer nahe der Pazifikküste im Bundesstaat Chiapas.

Besuch von Entwicklungsminister Müller

Dieser Tage hat auch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) das "Ejido Miguel Alemán" besucht. "Ich will wissen, wie anstrengend die Arbeit ist, um den Menschen in Deutschland verständlich zu machen, dass der Preis nicht immer tiefer sinken kann", erklärt der Politiker. Wer wie manche Supermarktketten ein Kilo Bananen für 89 Cent verkaufe, nehme in Kauf, dass Kinderarbeit im Spiel sei. Oder dass Menschen gezwungen seien, unter ausbeuterischen Bedingungen zu arbeiten.

Deshalb fragt Müller, selbst Sohn einer Bauernfamilie, genau nach. Wie viel wird für die Kiste gezahlt? Was kostet die Produktion? Dünger? Schädlinge? Und die Löhne? Ebenso genau erläutert Jimenez dem Minister die Zahlen. 350 Familien aus fünf Dörfern und 350 weitere Erntearbeiter leben von den gelben Früchten. Selbst eine Gemeinde von der anderen Seite des Suchiate-Flusses, der Guatemala von Mexiko trennt, ist in die bäuerliche Gemeinschaft eingebunden.

Ja, die Plagen und Pflanzenschutzmittel sowie das unberechenbare Tropenwetter kosteten viel Geld, bestätigt der Bauer. Dann berichtet er von dem Wirbelsturm, der 100 Hektar Plantagen zerstört habe. "Das war ein Verlust von etwa 700.000 Euro", erklärt er. Solche Einbrüche könnten den Campesinos das Genick brechen. Denn die Einnahmen reichen derzeit gerade so zum Leben und um die Produktion aufrecht zu erhalten. "Für viele nötige Investitionen und Erneuerungen fehlt das Geld," sagt Jimenez. Aber, betont er: "Kinderarbeit gibt es bei uns nicht."

Damit unterscheidet sich das Ejido von vielen Unternehmen in der Region. In Chiapas sind über 100.000 Mädchen und Jungen zur Arbeit gezwungen, insgesamt sind es in Mexiko nach offiziellen Angaben 2,48 Millionen. Fast drei Viertel von ihnen sind in der Landwirtschaft und der Fischerei tätig. Und umso mehr die Einkäufer von Bananen, Kaffee oder Avocados die Preise drücken, umso mehr Kinder werden auf den Feldern Mexikos schuften. Davon ist Minister Müller überzeugt. Er macht sich deshalb für faire Lieferketten stark. "Die großen Handelsketten müssen garantieren, dass bei der Herstellung der von ihnen eingekauften Ware keine Kinderarbeit im Spiel ist, existenzsichernde Löhne gezahlt und ökologische Grundstandards eingehalten werden", fordert er.

Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte

Um das zu erreichen, hat die Bundesregierung 2014 den Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte ins Leben gerufen. Unternehmen sollen sich freiwillig verpflichten, bei ihren Geschäften menschenrechtliche, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten. Doch bisher sei nichts passiert, kritisiert der Grünen-Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz: "Nicht einmal der Minister selbst glaubt noch daran, dass mit dem Prinzip Freiwilligkeit und rhetorischen Appellen echte Fortschritte zu erzielen sind." Müller zeigt sich abwartend, aber die Geduld geht ihm aus. Wenn das Prinzip Freiwilligkeit nicht trage, komme eine gesetzlich Regelung, betont er.

Die Bauern vom Ejido Miguel Alemán hören dem deutschen Besucher im Schatten der grünen Stauden interessiert zu. Ein paar Meter weiter sortieren, waschen und verpacken Arbeiterinnen die noch grünen Früchte. Zwei Frauen kleben auf jede Banane einen Aufkleber, auf dem Chiquita zu lesen ist. Noch können die Menschen hier von ihrer Arbeit leben. Mit einem Tageslohn von rund zehn Euro gehören sie nicht zu den Ärmsten. Aber der Preisdruck könnte auch sie schnell ruinieren.

Was denn ein fairer Preis wäre, will Minister Müller wissen. Mindestens neun Euro pro Karton, antwortet Jimenez. Fast das Doppelte dessen, was derzeit gezahlt wird.

Von Wolf-Dieter Vogel (epd)