Suche nach einem guten Pflegeheim soll leichter werden

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Strengere Kontrollen für stationäre Pflegeeinrichtungen geplant
Bonn (epd)

Auf dem Papier sind sie fast alle Klassenbeste: Die Durchschnittsnoten für Pflegeheime liegen nach Angaben des GKV-Spitzenverbandes der Krankenkassen zwischen 1,1 und 1,4. Seit 2011 kontrollieren der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) und der Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung alle Pflegeeinrichtungen einmal im Jahr. Doch die jährlich vergebenen Pflegenoten stehen seit langem in der Kritik, weil sie Qualitätsmängel für die Verbraucher nicht klar genug erkennbar machten.

So können zum Beispiel Heime, die in Teilbereichen schlechte Bewertungen bekamen, dennoch Spitzennoten erreichen, indem sie etwa Mängel in der Pflege durch Pluspunkte bei der Raumgestaltung oder beim Essensangebot ausgleichen. Aufgrund der Kritik an dem geltenden System hatte der Bundestag 2016 im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes II beschlossen, einen Pflegequalitätsausschuss einzusetzen, der neue Lösungen finden sollte. Dieses gemeinsame Gremium von Pflegekassen und Leistungserbringern beauftragte wiederum Wissenschaftler, Vorschläge für eine Reform zu entwickeln.

Forscher vom Institut für Pflegewissenschaft der Universität Bielefeld und vom Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen legten im vergangenen Herbst ihre Ergebnisse vor. Sie sind Grundlage des neuen Prüfsystems, das ab kommendem November gelten soll.

Neu daran ist vor allem, dass künftig neben den Prüfergebnissen des MDK auch interne Erhebungen der Heime in die Bewertung einfließen. Die Pflegeeinrichtungen müssen dafür halbjährlich für jeden der bundesweit rund 820.000 Heimbewohner bestimmte Qualitätsdaten erheben. Dabei wird zum Beispiel festgehalten, wie mobil ein Bewohner ist, wenn sich bei ihm Druckgeschwüre gebildet haben oder wenn er ungewollt Gewicht verloren hat.

Die Ergebnisse dieser Erhebungen müssen die Heime dann an eine Datenauswertungsstelle schicken. Dort werden sie auf statistische Plausibilität geprüft, um Manipulationen zu verhindern. Jedes Heim kann so mit dem bundesdeutschen Durchschnitt aller Einrichtungen verglichen werden. Hinzu kommen Kontrollen in der Einrichtung. Dazu schauen sich die MDK-Prüfer in jedem Heim stichprobenartig die Versorgung von neun Bewohnerinnen oder Bewohnern an. Außerdem vergleichen die Prüfer, ob das Bild vor Ort zu den Ergebnissen passt, die das Heim an die Datenauswertungsstelle gemeldet hat.

Anstelle der Noten soll es für die Heime künftig Bewertungen geben, die detaillierter über die Qualität oder die Mängel aufklären sollen als bislang. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen werden durch die neuen Bewertungen wesentlich mehr Informationen bekommen. Das soll den rund 300.000 Menschen, die jährlich einen Heimplatz suchen, die Beurteilung von Qualitäten und Schwächen einer Einrichtung erleichtern.

"Das macht es für den Verbraucher aber auch deutlich komplexer", sagt Carola Stenzel-Maulbach, Referentin beim Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe und stellvertretendes Mitglied im Pflegequalitätsausschuss. Jetzt komme es darauf an, dass die Ergebnisse verbraucherfreundlich dargestellt würden. Daran werde noch gearbeitet. Einige Experten sind skeptisch, ob das gelingen wird. "Die Ausgestaltung ist bislang noch eine Blackbox", sagt Frauke von Hagen von der Bundesinteressensvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, zweifelt daran, ob das neue Bewertungssystem tatsächlich mehr Transparenz schaffen wird. "Denn es wird weder eine aussagefähige Gesamtnote noch K.o.-Kriterien geben," kritisiert Brysch. "Wer aber bei der Schmerztherapie, der Wundversorgung, dem Umgang mit Fixierung oder der Medikamentengabe durchfällt, darf nur die Note sechs bekommen."

Auch der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) hätte sich strengere Bewertungskriterien gewünscht. MDS-Geschäftsführer Peter Pick kritisiert, "dass negative Bewertungskategorien erst dann vergeben werden, wenn bei Bewohnerinnen und Bewohnern gehäuft Qualitätsmängel festgestellt wurden". Das müsse aber schon der Fall sein, wenn nur bei einem Bewohner Folgen mangelhafter Pflege aufträten.

Insgesamt wertet Pick das neue Qualitätssystem aber positiv, da die Qualitätssicherung und -verbesserung in den Heimen gestärkt werde. Unterm Strich sei der neue Pflege-TÜV ein Fortschritt, urteilt auch die Sprecherin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Johanna Knüppel. "Es ist auf jeden Fall besser als das bisherige System."

Von Claudia Rometsch