Diakonie Düsseldorf kritisiert Aus für Haftverkürzungs-Projekt

Düsseldorf (epd)

Die Diakonie in Düsseldorf sieht die Resozialisierungsbemühungen in der Justizvollzugsanstalt Düsseldorf gefährdet. Obwohl Gelder von gut 100.000 Euro pro Jahr vom Land bereit stünden, werde ein erfolgreiches Projekt der Diakonie zur Haftverkürzung in der JVA seit 2018 nicht mehr fortgesetzt, erklärte Diakoniepfarrer Thorsten Nolting. Ebenso finde eine erfolgreiche Familienarbeit für die Inhaftierten nur noch "extrem eingeschränkt" statt.

Mit ihrem Haftverkürzungs-Projekt für Häftlinge mit Ersatzfreiheitsstrafen, die eine verhängte Geldstrafe nicht bezahlen konnten, habe die Diakonie noch 2017 über 4.000 Tage Haft verhindern können, sagte Nolting weiter. Damit habe das Land NRW über 600.000 Euro eingespart. Das Projekt war 1993 auf Betreiben des Evangelischen Gefangenenfürsorge-Vereins und des evangelischen Kirchenkreises Düsseldorf gemeinsam mit dem Landesjustizministerium entwickelt worden.

Außer in der JVA Düsseldorf wurde das Projekt Haftverkürzung damals auch in den Haftanstalten Köln und Bielefeld eingeführt. Im Herbst 2017 habe es noch in Gesprächen mit der Leitung der JVA Düsseldorf geheißen, man könne sich eine Erweiterung des Projekts vorstellen, sagte die Leiterin der Evangelischen Gefangenenfürsorge, Carola Schüler.

Dann habe aber der Landesrechnungshof NRW rund 214.000 Euro an Fördergeldern zurückgefordert. In einem bis 2020 dauernden Vergleichsverfahren habe man sich auf die Rückzahlung von 30.000 Euro geeinigt, so Nolting. Der Diakoniepfarrer warnte davor, mit dem Abbau der Projekte den Gefangenen ein Stück ihrer Zukunft zu nehmen. Die JVA-Leitung habe angekündigt, das Diakonie-Projekt Haftverkürzung dauerhaft einzustellen, weil es "unwirtschaftlich" sei und inzwischen von JVA-Mitarbeitern übernommen worden sei.

Gespräche mit Gefangenen hätten ergeben, dass das aber nicht ausreiche, betonte Nolting. Viele Angebote im Gefängnis - auch zur Wiedereingliederung - würden zudem durch Personalmangel häufig ausfallen, entsprechend groß sei oft der Frust der Inhaftierten. Der Diakoniepfarrer befürchtet, dass die Resozialisierung als Ziel des Strafvollzugs in der Düsseldorfer Haftanstalt "nicht mehr oberste Priorität hat" und hofft auf "ein grundlegendes Umdenken bei der Anstaltsleitung".