AOK: Fast jeder vierte stationär behandelte Corona-Patient gestorben

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Patientenschützer mahnen Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregelungen an
Düsseldorf, Dortmund (epd)

Fast jeder vierte der zwischen Ende Februar und Mitte April stationär behandelten Covid-19-Patienten im Rheinland ist nach Angaben der Krankenkasse AOK gestorben. Bei Patienten mit Beatmung lag die Sterblichkeit bei 55 Prozent, bei nichtbeatmeten Patienten bei 14 Prozent, wie die AOK Rheinland/Hamburg in Düsseldorf mitteilte. Insgesamt wurden nach einer Erhebung der Krankenkasse 177 der 853 stationär behandelten Covid-19-Patienten im Rheinland künstlich beatmet. Das sei etwa jeder fünfte Corona-Patient. Das Durchschnittsalter der Patienten lag in der Gruppe der beatmeten Patienten bei 67 Jahren und in der Gruppe der nicht beatmeten Patienten bei 65 Jahren.

Dass so viele Covid-19-Patienten in den Kliniken gestorben seien, weise darauf hin, dass dort viele Menschen mit schweren Krankheitsverläufen behandelt worden seien, erklärte der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg, Günter Wältermann. Angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen in Deutschland unterstrich er die Bedeutung der Einhaltung der Hygiene- und Schutzmaßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen und solchen schweren Verläufen bei Patienten vorzubeugen.

Die Ergebnisse seien Teil einer bundesweiten Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO), der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Technischen Universität Berlin, die aktuell im medizinischen Fachmagazin "The Lancet Respiratory Medicine" veröffentlicht worden sei, teilte die Krankenkasse mit. Die Analyse liefere erstmals bundesweite Ergebnisse zur Behandlung der Covid-19-Patienten in Deutschland auf Basis der AOK-Abrechnungsdaten. Diese Daten würden knapp ein Drittel der deutschen Bevölkerung abbilden.

Die nun erstmals vorliegenden Fakten für Krankheitsverläufe in den Kliniken zeigten ein dramatisches Bild, sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Damit wird klar, dass Covid-19 nicht verharmlost werden darf", erklärte er. Solange es keinen Impfstoff gebe, führe kein Weg an Hygiene-, Abstandsregeln und Präventiv-Tests vorbei. Brysch verwies darauf, dass bislang nicht bekannt sei, wie sich die Krankheit in der Altenpflege auswirkt. Auch in diesem Bereich habe es viele Todesfälle gegeben. "Das muss vom Bund und den Ländern unverzüglich aufgearbeitet werden, um auf die zweite Welle vorbereitet zu sein."