Hermann-Kesten-Preis für Günter Wallraff

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Guenter Wallraff
Darmstadt, Köln (epd)

Der Kölner Journalist und Autor Günter Wallraff erhält den Hermann-Kesten-Preis 2020 des PEN-Zentrums Deutschland. "Mit Günter Wallraff ehren wir einen der engagiertesten deutschen Autoren der letzten Jahrzehnte. Mit bewundernswertem Mut und großem persönlichem Einsatz hat er sich immer wieder für die Meinungsfreiheit sowie für politisch verfolgte Autorinnen und Autoren wie beispielsweise Salman Rushdie oder Julian Assange eingesetzt", sagte der Vizepräsident der Schriftstellervereinigung, Ralf Nestmeyer, in Darmstadt.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird am 19. November im Staatstheater Darmstadt verliehen. Der mit 3.000 Euro dotierte Hermann-Kesten-Förderpreis geht an die unabhängige ägyptische Online-Zeitung "Mada Masr" und ihre Chefredakteurin Lina Attalah.

Die hessische Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn (Grüne) sagte, Wallraff zeige "die fragwürdigen Recherche-Methoden des Boulevard-Journalismus, ließ uns erschreckend tief blicken in die menschenverachtenden Arbeitsbedingungen eines sogenannten Gastarbeiters, nahm uns mit in den harten Alltag von Paketdienstleistern und Flugpersonal". Es gebe das schwedische Wort "wallraffa" für verdecktes journalistisches Arbeiten und das Grundsatzurteil 'Lex Wallraff', das solches Vorgehen juristisch schütze.

Wallraff ist in nach PEN-Angaben in jüngerer Vergangenheit wiederholt in die Türkei gereist und hat die Freilassung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Tageszeitung "Cumhuriyet" sowie anderer inhaftierter Medienschaffender gefordert.

Ministerin Dorn lobte auch die Förderpreisträgerin: "Für ebenso unerschrocken halte ich Chefredakteurin Lina Attalah und ihr Redaktionsteam. Als Mitbegründerin und Chefredakteurin von "Mada Masr" (madamasr.com/en) kämpft Attalah dem PEN-Zentrum zufolge gegen die Einschränkung des unabhängigen Journalismus in ihrem Land. Mehrfach sei sie Repressalien ausgesetzt gewesen, 2019 kurzzeitig inhaftiert und jüngst im Juni erneut von den Behörden bei ihrer Arbeit behindert und eingeschüchtert worden.

Der Hermann-Kesten-Preis wird seit 1985 und jährlich seit 1994 zum sogenannten "Writers-in-Prison"-Tag für besondere Verdienste um verfolgte und inhaftierte Autoren vergeben. Die Auszeichnung erinnert an den deutschen Schriftsteller und ehemaligen PEN-Präsidenten Kesten (1900-1996), der wegen seines jüdischen Glaubens und seiner politischen Gesinnung von den Nationalsozialisten vertrieben wurde und sich später von den USA aus für zahlreiche verfolgte Künstler einsetzte. Zu den bisherigen Preisträgern gehören Günter Grass, Anna Politkowskaja, Liu Xiaobo und Can Dündar. Im vergangenen Jahr wurde der französische Journalist und Schriftsteller Philippe Lançon ausgezeichnet, Überlebender des Attentats auf die Redaktion des Satire-Magazins "Charlie Hebdo".