Hufeisen, Sägen, Nudelhölzer, Sichel und Spaten: Werkzeug, das bis ins frühe 20. Jahrhundert nicht nur von Hand genutzt, sondern auch von Hand hergestellt wurde, hat der New Yorker Künstler Ugo Rondinone vergoldet und auf weißen Wänden zusammengestellt. „Das Alphabet meiner Mütter und Väter“ nennt er es in Erinnerung an seine Vorfahren, die aus Süditalien emigriert waren. „Am Anfang jeder Kultur steht die Pflege des Bodens“, sagt er und deshalb zeigt er sein vergoldetes Handwerkszeug in der gläsernen Kuppel des Museums K 21 der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf.
Der Titel der Schau „Grund und Boden - Wie wir miteinander leben“, die ab Samstag (29. November) zu sehen ist, lässt kaum ahnen, mit wie viel Fantasie und Sinnlichkeit das Thema aufgefächert wird. Es geht um nichts weniger, als um die Entwicklung der Grundlagen des Lebens auf der Erde für Menschen, Tiere und Pflanzen. „Boden verbindet, Boden trennt“, sagte Kurator Kolja Reichert am Donnerstag bei der Vorstellung der Ausstellung. Die erste ökologische Demonstration der Bauern im 16. Jahrhundert wird ebenso gewürdigt wie der Protest gegen den Braunkohletagebau im nordrhein-westfälischen Lützerath - mit einem Bild des berühmten Fotografen Andreas Gursky.
Fotoserie über Dank an Müllmänner
So spektakulär wie einfach drückte die Künstlerin Mierle Ladermann Ukeles, ebenfalls aus New York, in den 1970er Jahren ihr soziales und ökologisches Bewusstsein aus. Sie bedankte sich persönlich bei allen 8.500 Müllmännern ihrer Stadt und drückte jedem, der das wollte, die Hand. Die Fotoserie, die daraus entstand, gibt einen konstruktiven, optimistischen Blick auf das Zusammenleben der Menschen in einer Millionen-Metropole.
Dass dagegen gerade im Bezug auf Eigentum schon im 16. Jahrhundert Mord und Gewalt das Leben prägten, zeigt das Bild „Triumph des Todes“ des niederländischen Malers Pieter Bruegel aus dem Jahr 1562. Auf eine 20 Meter breite Leinwand aufgezogen hängt es in der Eingangshalle des Museums. „Wir haben den Bogen bewusst 500 Jahre weit gespannt, weil das 16. Jahrhundert ein Epochenbruch war, nicht zuletzt mit Beginn des Buchdrucks und parallel einem Ausbruch von Gewalt, wie Europa ihn bis dahin nicht gekannt hatte“, erläuterte Kurator Kolja Reichert. Einen vergleichbaren Wandel sieht er in der heutigen Zeit mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz und neuer Waffensysteme.
Schoko-Skulpturen als Protest gegen Monokulturen
Die Schau versammelt allerdings auch erfolgreiche Beispiele, wie Grund und Boden gerettet und natürliche Kreisläufe zurückgewonnen wurden können - gerade auch mithilfe von Kunstwerken. Skulpturen aus Schokolade mit Darstellungen christlicher Motive, etwa einer Kreuzigung, hat das Künstler-Kollektiv CAPC aus dem Kongo geschaffen. Die Böden ihrer Heimat trocknen in Monokulturen wie etwa Palmöl-Plantagen aus. Die Schoko-Skulpturen sind als Protest dagegen gedacht und wurden in Europa verkauft. Mit dem Erlös konnte das Kollektiv nach Auskunft der Ausstellungsmacher 400 Hektar Land zurückkaufen und naturverträglich bewirtschaften.
Einen weiteren positiven Ausblick bietet die Video-Installation von Maria Thereza Alves: Sie sammelte Stimmen von Ureinwohnern der Regenwälder in Brasilien, die „Pflanzen, Tiere und Menschen in eine neue Nachbarschaft gebracht haben“, so Kurator Reichert. Damit habe das Wort „Wachstum“ seine ursprüngliche Bedeutung, die sich auf die Natur bezieht, wieder gewonnen.
Die Ausstellung ist bis zum 19. April zu sehen. Es gibt ein umfangreiches Bildungsprogramm, das sich vor allem an Jugendliche und junge Erwachsene wendet. Dazu sind nach Angaben des Museums im November, Februar und April Aktionstage geplant.