Ein «Drummer» mit acht Beinen

Der Trommelwolf
Der Trommelwolf schlägt in der Balzzeit seinen eigenen Rythmus.
Der Trommelwolf ist Spinne des Jahres
Karlsruhe (epd)

Es gibt nicht viele Spinnen, die man in der Natur hören kann. Der Trommelwolf ist so eine. Bei der Balz klopft das Männchen in kürzesten Abständen sein Hinterteil auf trockenes Laub. Die schnellen Bewegungen verursachen ein sanftes Tackern wie das eines entfernten Spechtes. Die Arachnologische Gesellschaft hat den Trommelwolf zur Spinne des Jahres 2022 gekürt.

Hubert Höfer, Spinnenexperte im Naturkundemuseum Karlsruhe und Vorstandsmitglied der Arachnologischen Gesellschaft, ist fasziniert vom Trommelwolf. Es handele sich um eine «sehr hübsche Spinne» mit faszinierenden Eigenschaften. Dazu gehöre nicht nur das Trommeln, sondern auch der Umstand, dass die Spinnenmutter ihre bis zu 60 Kleinen in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen mit sich trägt. Im Unterschied zu anderen Wolfsspinnen klammern die Jungen sich aber nicht direkt am Körper ihrer Mutter fest, sondern an den Resten des Kokons, die an ihren Spinnwarzen haften.

Die Männchen sind in der Farbe dunkel bis schwarz, bei den Weibchen dominiert gelbbraun. Als Teil der Wolfspinnenfamilie legt der Trommelwolf keine eigenen Netze an. Er liegt tagsüber auf der Lauer und jagt Insekten.

Unterwegs ist die Spinne, deren Körper gut einen halben Zentimeter groß wird, in der Regel ab März. Die Männchen haben mit der Paarung ihre Pflicht und Schuldigkeit getan und sterben kurz darauf. Bei den Weibchen lässt sich beobachten, dass manche auch noch den Winter überleben. Die Jungtiere kämpfen sich ebenfalls durch die kalte Jahreszeit in die zweite Saison ihres Lebens.

Hobbybiologen, die auf ihren Wanderungen nach Spinnen Ausschau halten, haben nur geringe Chancen, den Trommelwolf zu entdecken. «Ich habe sie im Feld auch noch nicht gesehen», räumt Experte Höfer ein. Grund dafür sei, dass sich das Tier nur in Mooren, Moorwiesen und Feuchtgebieten wohlfühlt - und diese Räume seien in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgedrängt worden.

Die Konsequenz: Der Trommelwolf steht auf der Roten Liste der bedrohten Arten. In Deutschland gilt er als gefährdet, in Österreich ist er sogar vom Aussterben bedroht.

Weltweit gibt es 2.440 Arten an Wolfsspinnen, alleine in Europa sind es 352. Dennoch nimmt der Trommelwolf hier eine Sonderstellung ein, denn er gehört zur Unterart der «Sumpfwölfe» (Hygrolycosa), von der es auf dem gesamten Globus nur fünf Arten gibt, in Mitteleuropa lediglich eine - nämlich die «Spinne des Jahres» mit dem wissenschaftlichen Namen Hygrolycosa rubrofasciata.

Professor Markus Röhl von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen sieht in der Wahl der «Spinne des Jahres» eine Chance, auf die bedrohten Lebensräume aufmerksam zu machen. «Feuchtgebieten und Mooren geht es insgesamt nicht so gut», sagt er. Die Klimaerwärmung verschärfe das Problem. Röhl wirbt bei Hobbygärtnern dafür, nur torffreie Blumenerde zu verwenden, denn Torf werde aus der Zerstörung von Mooren gewonnen - und das könne nicht nur den Trommelwolf das Leben kosten.

Von Marcus Mockler (epd)