Die Barbie im Rollstuhl
Schüler am Legotisch.
Schüler vom Gymnasium in Mannheim-Feudenheim bauen begeistert am Legotisch.
Ausstellung im Technoseum zeigt die Faszination des Spielens
Mannheim (epd)

Spielen ist eine ernste Sache. Wer spielt, ist kreativ, kommt auf neue Gedanken und trainiert logisches Denken, Geschicklichkeit und Fairplay. Die Ausstellung «Spiel mit! Bauen - Zocken - Knobeln» im Technoseum Mannheim, die vom 22. Juni 2024 bis 9. März 2025 zu sehen ist, führt Spielspaß von 1900 bis heute vor Augen.

Auf rund 900 Quadratmetern warten mehr als 1.000 Objekte von der Puppenstube bis zur Spielkonsole darauf, entdeckt zu werden. Eingeteilt ist die Schau nach Themenbereichen: Abbildung der Erwachsenenwelt, Lernspiele, Einkaufsspiele, Fantasiespiele, einzigartige Exemplare wie selbstgebautes Spielzeug und Spielzeug aus der Nachkriegszeit, Videospiele und Brettspiele. Neben dem «Gänsespiel» oder «Fang den Hut» sind auch alle «Spiele des Jahres» von 1979 bis 2023 ausgestellt.

Was machen die Großen? Spielzeug ist Abbild der Erwachsenenwelt. «Gerade Technikspielzeug bildet die Entwicklung der Technik sehr schnell ab», sagt die Kuratorin, Kristin Kube. Autofahren zum Beispiel: Bei dem echten Polizeibus gleich am Start stehen für kleine Museumsbesucher ein Bobbycar, ein Trettraktor und ein mintgrüner Mini-Roller bereit zum Losfahren. Mitmachen ist im Spielbereich sowohl bei den Puppen, die nach Herzenslust an- und umgezogen werden dürfen, wie auch bei den Videogames erlaubt.

Spielzeug ist auch Pädagogik und Vorbereitung auf spätere Rollenmuster. Der Chemiekasten für Jungs und die Barbie für Mädchen erfreuen bis heute, werden anno 2024 aber durchaus auch kritisch gesehen.

Die Spieleausstellung zeigt Objekte aus der hauseigenen Sammlung des Technoseum; Leihgaben wie der «Atomic Energie Experimentierkasten» aus der Sammlung des Deutschen Museums in München ergänzen sie. Unikate wie ein Miniatur-Karussell aus der Nachkriegszeit, das mit einem Plattenspieler angetrieben wird, oder eine Puppenstube von 1895 mit einem intakten Wassertank erinnern an Spielewelten der Großeltern.

Gespielt wurde zu allen Zeiten. Und doch hat sich einiges verändert seit 1900. Den größten Wandel der Spielzeuge im Laufe der Zeit sehe sie beim Material, sagt Kube. Mit dem Kunststoff seien andere Spielsachen auf den Markt gekommen. «Vorher war Spielzeug meistens aus Blech», weiß die Kuratorin. Das meiste Spielzeug werde in Südostasien hergestellt. Brettspiele haben ihre Tradition in Deutschland.

Vor allem in puncto Sicherheit hat sich viel getan. «Ich war schockiert über die Sicherheitsstandards früher. Heute macht man sich Gedanken, ob ein Kinderbuch nicht besser abgerundete Ecken haben sollte, damit sich das Kind nicht verletzt», sagt die Leiterin Öffentlichkeitsarbeit am Technoseum, Claudia Paul.

Denn es war pures Gift, womit spielende Kinder in Kontakt kamen. Die Schüler des Leistungskurses Geschichte vom Gymnasium in Mannheim-Feudenheim sind ebenfalls verwundert. «Spannend, wie gefährlich Spielzeug früher war», meint Simon. Und Ben ergänzt: «Ich bin überrascht, dass Spielzeug so stark an die jeweilige Zeit angepasst ist, und Kanonen, Munition in der Nachkriegszeit zu Spielzeug umgebaut wurden.»

Seine Mitschülerin, die 17-jährige Sophie, hat ihren Aha-Moment bei der Anpassung der Spielzeuge an die Werte der Gesellschaft. «Von der Barbie im Rollstuhl wusste ich vorher nichts», sagt die Schülerin. Einig sind sich die Jugendlichen, dass die Ausstellung «nostalgische Gefühle» auslöst. Sophie erinnert sich an Playmobil und Lego Friends. Ben sagt, die große Carrerabahn sei «ein Kindheitstraum», und Simon steuert direkt den «Mitmach-Spieltisch» an, um Lego zu bauen.

 

Von Susanne Lohse (epd)