Bloß nicht mit Schnürsenkeln zu den Hühnern gehen
Glückliche Hühner
Glückliche Hühner auf dem Schulbauernhof auf den Korntaler Zukunftsfeldern.
Auf dem Schulbauernhof lernen Schüler, woher die Lebensmittel kommen
Korntal-Münchingen (epd)

Wenn der einwöchige Schullandheimaufenthalt im Schulbauernhof auf den Korntaler Zukunftsfeldern beginnt, sind die Schülerinnen und Schüler immer ganz gespannt: Was werden ihre Aufgaben sein? Wo werden sie übernachten? Zeit für die ersten Antworten sei schon auf dem Fußweg vom Busparkplatz oder der Zughaltestelle, sagte der Pädagogische Leiter Florian Aufrecht dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Gepäck reise so lange stilgerecht auf dem Traktoranhänger. Eines lernen die Schüler schnell: Wenn sie die 300 Hennen beim Hühnermobil besuchen, sollten sie dies besser mit Gummistiefeln statt mit Schnürsenkeln tun. Denn so eine Henne verwechselt einen Schnürsenkel gerne mit einem schmackhaften Wurm.

Das Interesse an Schullandheimaufenthalten und Jahreszeitenkursen - letztere an je einem Vormittag in jeder Jahreszeit - ist aktuell groß. Drei Monate lang war der Schulbauernhof im Vorjahr im erzwungenen Schullandheim-Lockdown, nur Tagesbesuche waren möglich und konnten ein 70.000-Euro Defizit nicht verhindern. Die Teilnehmerbeiträge decken nur gut die Hälfte der Kosten, den Rest schießen Stiftungen und die Diakonie der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal zu. Sie hat den Schulbauernhof in Korntal-Münchingen (Kreis
Ludwigsburg) im Jahr 2010 gegründet und seitdem ständig weiterentwickelt. Derzeit ist eine überdachte Feuerstelle im Bau, im April nimmt auf dem Gelände ein Naturkindergarten den Betrieb auf. Er beginnt mit einer Gruppe für Kinder von drei bis sechs Jahren, eine spätere Erweiterung ist möglich. Hühner gehören von Anfang an zum Naturkindergarten dazu.

Die Hühner werden auch verliehen: Eine Schule, ein Seniorenheim oder auch Privatpersonen, die mindestens 20 Quadratmeter Fläche anzubieten haben, können bei sich für ein paar Wochen ein Hühnerquartett aufnehmen. Von wegen Fläche: Sie ist auf dem Schulbauernhof für alle Tiere großzügig bemessen, seit eineinhalb Jahren ist der Hof ein Bioland-Betrieb. Er ist zugleich auch Arche-Hof, denn er bietet gefährdeten alten Rassen wie dem Schwäbisch-Hällischen Landschwein eine Heimat. Bei den Schweinen wird demnächst Nachwuchs erwartet. Bei den Rindern ist er schon da: Erwartet wurde ein Kalb mit Namen Liselotte, stattdessen kamen Zwillinge. Sie heißen nun Lise und Lotte.

Die Aufgaben der Schüler richten sich nach der Jahreszeit. Es werden Kühe gemolken, es wird Butter geschüttelt, es werden Eier eingesammelt und Beeren gepflückt. Im Herbst werden Apfel- und Traubensaft hergestellt. Das ganze Jahr über verarbeiten die Schüler die Produkte des Hofes in der Küche. Für ihre Verpflegung wird möglichst wenig zugekauft, wie etwa Teigwaren. Die Haferflocken für das Müsli werden selbst gequetscht. Brot ist kein Problem, der Chefkoch ist zugleich Bäcker. Sein Speiseplan hängt davon ab, was gerade geerntet wird. Was nicht direkt auf dem Hof verspeist wird, wird in einem Bauwagen an die Bevölkerung verkauft.

Der Schulbauernhof mit seinen fünf Hektar ist nur ein kleiner Teil der Landwirtschaft der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. Deren Diakonie bewirtschaftet insgesamt 75 Hektar. Zum Team gehören ständig Jugendliche im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ), die oft auch auf dem Hof wohnen. Zum Team gehört auch Hans-Peter Mayer, und das ehrenamtlich und seit zwölf Jahren. Er ist in der Landwirtschaft aufgewachsen. Als sein Betrieb wirtschaftlich zu klein wurde, wurde er stattdessen Betriebswirt und arbeitete für 40 Jahre im Vertrieb.
Im Ruhestand kehrte er zu seiner ersten Liebe zurück, fast jeden Vormittag arbeitet er mit den Kindern auf dem Hof. Und mit Johannisbeeren, Stachelbeeren, Himbeeren, vielen Sorten Kartoffeln, Sauerkirschen und Rote Bete, mit Äpfeln, Birnen und Zwetschgen, mit Schweinen, Ziegen, Rindern, Schafen und Hühnern - um nur einige Beispiele zu nennen.

Natürlich ist die Vielfalt auf einem normalen Hof kleiner, die jeweilige Fläche und die jeweilige Zahl der Tiere sind größer. Damit die Schüler auch das sehen, gibt es Ausflüge zu einem benachbarten Betrieb. Die Schüler wissen, dass ein Landwirt nicht immer von Hand 15 Minuten lang schütteln kann, bis sich ein Klumpen Butter gebildet hat. Aber wenn sie es selbst einmal probiert und durchgehalten haben, vergessen sie es nie wieder. 
 

Von Peter Dietrich (epd)