Ab in die Donau

Andreas Fath beim Training.
Andreas Fath beim Training.
Der "schwimmende Professor" startet zum dreitten Mal
Furtwangen/Freiburg

«Wenn man Menschen erreichen will, braucht man ein verrücktes Projekt», sagt Andreas Fath, Professor für Chemie an der Hochschule Furtwangen (Schwarzwald-Baar-Kreis). Ab 19. April will er in 60 Tagen rund 2.700 Kilometer bis zur Donaumündung schwimmen - und damit für einen plastikfreien Fluss werben. Die täglichen Etappen sind je nach Strömung zwischen 30 und 70 Kilometer lang. Fath wird rund acht Stunden pro Tag im Wasser sein. «Das ist wie ein Arbeitstag», sagt er. Auch Stellen, an denen er in der Donau nicht schwimmen kann, will er per Muskelkraft zurücklegen, dann wandernd oder per Mountainbike.

Fath bereitet sich mit dem Rudergerät, mit Laufen und Schwimmen auf die Tour vor. «Ich muss mich noch an die Kälte gewöhnen», sagt er. Beim Probeschwimmen im kalten April 2021 bei Günzburg habe die Wassertemperatur bei 9,8 Grad Celsius gelegen. «Ich hoffe auf zwölf Grad Celsius, das wäre mollig schön.»

Nach dem Rhein im Jahr 2014 und dem Tennessee River 2017 ist dies der dritte Fluss, den er durchschwimmt. Bis zum bayerischen Kelheim wird er von einem Kajak begleitet, ab dort vom Motorschiff MS Marbach mit einem etwa siebenköpfigen Team.

Über die Rheintour wurde in 49 Ländern berichtet, Fath hielt darüber 300 Vorträge. Das Durchschwimmen des Tennessee River hatte politische Konsequenzen und brachte Finanzmittel für die Forschung.

Auch diesmal hofft Fath auf eine breite Wirkung, weit über Fachkreise hinaus: Jeder könne etwas zu einem sauberen Fluss beitragen. An Bord ist auch ein Filmemacher; seine Produktion soll im Oktober in Kinos zu sehen sein.

Bisher schwemme die Donau jeden Tag über vier Tonnen Plastik ins Schwarze Meer, sagt Projektleiter Mario Kümmel. Teils gebe es mehr Plastikpartikel als Fischlarven im Fluss. «Der Fluss ist eine Plastikmühle, als Schwimmer kann ich das hören», sagt Fath. Ein Fluss, der durch zehn Länder fließe, sei ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft: «Wie ernähren sich die Menschen, welche Medikamente nehmen sie, wie trennen sie ihren Müll, wie behandeln sie ihr Abwasser?» In regelmäßigen Abständen werden auf der Tour Wasserproben entnommen, wird nach Mikroplastik und nach Spurenstoffen gesucht. Zusätzlich trägt Fath eine Membran am Bein, die kontinuierlich Schadstoffe aufnimmt.

Manche Untersuchungen sind aufwändig, einer der Partner ist die Universität Wien. Andere Ergebnisse liegen sofort vor. Während der Tour durch zehn Länder sind gemeinsame Aktionen mit 50 Nichtregierungsorganisationen und Bildungseinrichtungen geplant. Die Ukraine und Moldawien sind derzeit nicht Teil der Planung.

Projektpartner ist der 2011 gegründete Verein AWP - association für wildlife protection mit Sitz in Freiburg. Er initiiert seit 2017 Naturschutzprojekte im Donauraum. Das Schwimmprojekt wird von der Baden-Württemberg Stiftung und der Deutschen Postcode Lotterie gefördert. Ursprünglich war es im Sommer 2021 geplant, wurde aber wegen Corona verschoben.

Schwerpunkte des Programms sind der offizielle Schwimmstart in Ulm am 22. April und das Programm am 6. Mai in Wien. Für Zollkontrollen zwischendurch an Land gehen muss der «schwimmende Professor» wahrscheinlich nicht, durch das Begleitschiff gelten die Schifffahrtsrichtlinien. Die MS Marbach kann entgegenkommende Schiffe über den Schwimmer informieren. Zum Team auf dem Schiff gehören auch Studenten der Hochschule Furtwangen. Sie steht voll hinter ihrem Professor, das Projekt inklusive Begleitung der Studierenden zählt als Forschungssemester.

Schwimmen gelernt hat Fath, wie er selbst sagt, «auf die harte Tour», bei einem Hausboot im Altrhein. Er schwamm bis in die Bundesliga. «Mit dem Alter wird man immer ausdauernder», sagt er.

«Ökonomisches Schwimmen ist wie Wandern, der Körper gewöhnt sich an die Aufgabe.» Er habe nichts gegen Kunststoff, betont er: «Das ist ein sehr gutes Material, solange es in seinem Kreislauf bleibt.» Bisher seien aber von 8,3 Milliarden Tonnen Kunststoff, die seit den 1950er-Jahren produziert wurden, nur neun Prozent recycelt worden.

Von Peter Dietrich (epd)