Streit über Arbeits-Migration
Foto Helbling
Dr. Marc Helbling, Inhaber der Professur für Soziologie mit Schwerpunkt Migration und Integration an der Universität Mannheim.
Studie zeigt mögliche Kompromisse zwischen Befürwortern und Kritikern
Mannheim (epd)

Für oder gegen Arbeits-Migration - die Fronten in dieser Diskussion wirken verhärtet. Es gibt aber durchaus Raum für Kompromisse, wie zwei internationale Studien um den Mannheimer Soziologen Marc Helbling darlegen. «Unsere Forschung zeigt, dass es durchaus möglich ist, Kritiker und Befürworter an einen Tisch zu bringen», erklärt der Professor im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Positiv sei, dass Befürworter und Kritiker von Arbeits-Migration ähnliche Vorstellungen haben, wie Integration aussehen sollte. «Sie finden gleichermaßen, dass Migranten möglichst gut die Sprache lernen, Integrationskurse besuchen und nicht vom Sozialstaat abhängig sein sollen», heißt es in der Studie. Zudem sollen sie dieselben Rechte wie Einheimische auf dem Arbeitsmarkt bekommen und die Möglichkeit haben, ihre Arbeitserlaubnis zu verlängern. Bevorzugt werden von beiden Seiten Einwanderer, die christlich sind und eine ähnliche Bildung haben. «Dazu zählen Menschen aus Industrieländern, etwa aus den USA, Kanada oder Westeuropa», sagt Helbling.

Unterschiedliche Vorstellungen gebe es vor allem bei der Anzahl der Einwanderer. «In der Bewertung der Migrationspolitik spielt gegenwärtig die Anzahl der Personen, die ins Land einreisen dürfen, die größte Rolle», erklärt Helbling. Vor allem die Kontrolle über die Grenzen sei für Migrations-Kritiker ein heißes Eisen. Sie befürchteten, dass Einwanderung die Aufnahmekapazitäten Deutschlands überfordern werde.

Aber die Studien haben auch gezeigt: «Wenn die Grenzen sicher sind, seien Migrationskritiker mit 40-prozentiger Wahrscheinlichkeit bereit, eine größere Zahl von Menschen ins Land zu lassen», so der Soziologe. Wichtig sei ihnen, dass vor allem Fachkräfte einwanderten.

Hingegen betrachteten die Befürworter von Arbeits-Migration sichere Grenzen als ein nachgeordnetes Thema. Mit Blick auf den Fachkräftemangel liege es ihnen am Herzen, dass zahlreiche Menschen kommen können und alle gleichgestellt seien. Aber auch unter ihnen seien einige bereit, ihre Position zu verändern. «Etwa ein Drittel kann sich vorstellen, die Zahl der Einwanderer zu reduzieren», heißt es in der Studie. Im Gegenzug erwarteten sie, dass der Zugang zu Sozialleistungen und zum Arbeitsmarkt leichter werden.

Für die Studie hat Helbling zusammen mit dem Mannheimer Politikwissenschaftler Richard Traunmüller und der New York University mehrere Umfrageexperimente ausgewertet. Teilgenommen haben zwischen 2020 und 2023 fast 10.000 Personen aus Deutschland. Dabei sollten sie den Angaben zufolge bestimmte Politikvorschläge einschätzen.

 

Von Leonie Mielke (epd)