Reform der Pflegepolitik gefordet

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Bekommen Pflegende eine Prämie?
Verbände und Organisationen wollen Verbesserungen für die Zukunft
Stuttgart/Karlsruhe/Freiburg (epd)

Aus Anlass des Internationalen Tags der Pflege am 12. Mai haben unter anderem die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas auf die Notwendigkeit einer Reform der Pflegepolitik hingewiesen. Die derzeitige Wertschätzung der Pflegeberufe in der Corona-Krise sei erfreulich, müsse aber in strukturelle Verbesserungen münden und dürfe keine Eintagsfliege bleiben, forderte in Karlsruhe der Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Baden, Oberkirchenrat Urs Keller.

Wenn man künftig Fachkräfte halten und junge Menschen für diesen Beruf gewinnen wolle, müssten Zeichen gesetzt und nachhaltige Veränderungen eingeleitet werden, sagte Keller den Angaben der Diakonie zufolge. Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg, nannte die Pflegeprämie ein "deutliches Signal der Wertschätzung". Darüber hinaus seien aber "dauerhaft bessere Rahmenbedingungen" nötig.

Eva-Maria Armbruster, Vorstand Sozialpolitik des Diakonischen Werks Württemberg, verwies auf die zum 1. April gestartete generalistische Pflegeausbildung. Dadurch, dass jetzt Kranken- und Altenpflegefachkräfte gemeinsam ausgebildet würden, ergäben sich attraktivere Karrierechancen und die Möglichkeit zu einem späteren Studium in der Pflege.

Die Caritas im Südwesten forderte ebenfalls, die Professionalität und Leistungsfähigkeit der Pflege durch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen zu stärken. Jetzt gelte es, den bestehenden Reformstau zu lösen. Es seien "hoch qualifizierte Pflegefachkräfte, die in Krankenhäusern, Pflegeheimen und dort, wo zwei Drittel der Pflegebedürftigen versorgt werden, nämlich in ihrer eigenen Häuslichkeit, dazu beitragen, die Pandemie zu bekämpfen", betonte die Vertretung der Pflegeeinrichtungen.

Sie fordern unter anderem, Verwaltungsabläufe in der Pflege zu entbürokratisieren und zu digitalisieren. Die beschlossene Bonuszahlung sei ein wichtiges Zeichen, doch sie dürfe nicht über Beitragserhöhungen letztlich von den Versicherten bezahlt werden. "Die professionelle Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Deshalb muss die Prämie aus Steuermitteln finanziert werden", fordert die Caritas.

Zu diesen Themen wird am Dienstag (12. Mai) der Walk of Care dieses Jahr in digitaler Form stattfinden, zusammen mit einer Mahnwache am Stuttgarter Schlossplatz, teilten die Veranstalter mit. Sie fordern mehr Personal für menschenwürdige Pflege, politische Mitsprache und ein faires Gehalt. Der Walk of Care ist eine Bewegung von Pflegenden aus ganz Deutschland. Auch die Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in der Diözese Rottenburg-Stuttgart fordert bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege, eben so wie die evangelische Diakonieschwesternschaft Herrenberg-Korntal, die sich der Diakonieaktion #wirfeiernpflege anschließt.

Der Internationale Tag der Pflegenden steht in diesem Jahr unter dem Motto "Die Welt gesund pflegen". Sein Datum, der 12. Mai, erinnert an den Geburtstag der britischen Krankenpflege-Pionierin Florence Nightingale.