Eine helfende Gemeinschaft gefunden

Frank Bottalico
Frank Bottalico
Für Frank Bottalico ist ein Leben ohne Alkohol auch eine Frage des Willens
Backnang (epd)

Die freundliche Stimme am Telefon gehört Frank Bottalico. Der 48-Jährige arbeitet bei der Erlacher Höhe, einem diakonischen Sozialunternehmen, das Menschen in existenziellen Schwierigkeiten hilft, im Leben wieder Fuß zu fassen - durch Sozialtherapie, Arbeits-, Wohnungs- und Eingliederungshilfen.

Neben dem Dienst in der Backnanger Telefonzentrale und einigen Verwaltungsaufgaben ist Bottalico vor allem für hauswirtschaftliche Arbeiten zuständig - die Reinigung der Büroräume, das Erledigen der Wäsche. Der ruhige Mann aus Nordrhein-Westfalen arbeitet gern hier: "Der Zusammenhalt und die Stimmung im Team sind gut, die Arbeit ist okay. Und wenn es doch mal ein Problem gibt, ist immer eine Lösung möglich", sagt Bottalico und fügt hinzu: "Ich mache hier auch Neues, was ich mir nie zugetraut hätte."

Der Weg in ein zufriedenes Leben mit einer geregelten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, verlässlichen Sozialkontakten und eigener Wohnung war für den Sauerländer keineswegs selbstverständlich. Die Erlacher Höhe war für ihn dabei eine entscheidende Hilfe.

Gearbeitet hatte er zunächst in dem Metallbetrieb, in dem sein Vater bereits Meister war. Er wohnte auch beim Vater in einer großzügigen Eigentumswohnung. Dann kam der große Schock an dem Tag im Jahr 1993, als die beiden tagsüber noch Hand in Hand gearbeitet hatten und der Vater abends an einem Herzschlag starb.

Um Abstand zu gewinnen, wechselte der damals 21-Jährige die Arbeitsstelle, wurde für eine Spedition tätig. Alkohol hatte, seit er erwachsen war, immer eine gewisse Rolle gespielt - gesellige Treffen in der Kneipe nach Feierabend waren üblich, aber auch zu Hause hatte er einen Vorrat.

1996 entschied er sich umzuziehen, nach Heilbronn, wo seine Mutter lebte. Alles ging sehr schnell: Am Donnerstag stellte er sich bei einer dortigen Spedition vor, am Montag war er bereits eingestellt und fuhr über Nacht die erste Tour von Heilbronn nach Hannover. Über Beziehungen seiner Mutter war auch rasch eine Wohnung gefunden.

Doch das Einleben in der neuen Umgebung gestaltete sich schwierig. Der Berufskraftfahrer hatte es schwer, Anschluss zu finden an die Menschen im Schwäbischen, deren Mentalität anders war, als die der Sauerländer. Einsamkeit und Langeweile verstärkten den Hang zum Alkohol. Irgendwann, als er zu viel davon im Blut hatte und unterwegs erwischt wurde, hatte er Führerschein und Job los.

Es folgte eine Entgiftung am Zentrum für Psychiatrie Weinsberg. Einmal, zwei Mal, x-Mal versuchte Bottalico, die schädlichen Folgen seines Alkoholkonsums loszuwerden. Er wurde "Drehtürpatient" in der Klinik. "Die haben mich schon erwartet", erzählt er.

Am Klinikum vermittelte man ihm schließlich einen Platz in der Sozialtherapie Helle Platte Großerlach, die zur Erlacher Höhe gehört. In der abgelegenen Gegend inmitten von Natur findet Frank Bottalico erstmals seit langem Zeit und Ruhe, um zu sich zu kommen. Er fühlt sich aufgehoben in der intensiven persönlichen Begleitung, den sozialen Kontakten und gemeinsamen Unternehmungen der Hausgemeinschaft.

Für jeweils sechs Monate wird ein Hilfeplan erstellt. Bottalico setzt sich Ziele, sein Wille ist gefragt. Er hat gemerkt, dass ein Leben ohne Alkohol schöner ist und dass er mit dem dauerhaften Verzicht auf dessen Konsum bedeutende gesundheitliche Verbesserungen erreichen kann.

Nach 18 Monaten ist er so weit stabilisiert, dass er in eine therapeutische Wohngemeinschaft der Erlacher Höhe wechseln kann. In den drei Jahren lernt er Schritt für Schritt, sein Leben eigenständiger zu bewältigen.

Über das Jobcenter bekommt er eine Arbeitsgelegenheit im "EH-Mobil", dem mobilen Mittagstisch der Erlacher Höhe in Backnang. Jetzt ist er selbst für Bedürftige da, macht sich nach und nach mit den verschiedenen Aufgabenbereichen vertraut - Spülküche, Essensausgabe, Kasse. Ein Jahr dauert die Maßnahme.

Inzwischen hat er eine andere, unbefristete reguläre Arbeitsstelle. Damit bringt sich Frank Bottalico heute für andere Menschen bei der Erlacher Höhe ein, von der er nach wie vor selbst profitiert. Wichtig sind ihm der Freizeitklub für soziale Kontakte und die Beratung durch das ambulant betreute Wohnen auch nach dem Umzug in das eigene Zuhause.

"Ein Mensch trinkt Alkohol oder eben nicht, weil er es so will", ist Bottalico heute überzeugt - und plädiert damit für ein eigenverantwortliches und selbstbestimmtes Leben.

Von Uta Rohrmann (epd)