«Diakonie und AfD passen nicht zusammen»
Annette Noller
Die Oberkirchenrätin Annette Noller ist Vorstandsvorsitzende des Diakonischen Werks Württemberg.
Stuttgart (epd)

Nach Ansicht der Vorstandsvorsitzenden des Diakonischen Werks Württemberg, Annette Noller, schließen sich eine Tätigkeit bei der Diakonie und eine Mitgliedschaft in der AfD inhaltlich aus. Wer die Ideologie der AfD vertrete, werde sich schwertun, die Arbeit der Diakonie zu tun, sagte sie am 19. Januar vor Journalisten in Stuttgart. Zwar gebe es innerhalb des Diakonischen Werkes keinen entsprechenden Unvereinbarkeitsbeschluss, aber man habe eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die klären solle, wie damit umzugehen wäre. Ihr persönlich sei bislang kein derartiger Fall bekannt.

Hintergrund ihrer Äußerungen ist ein Anfang des Jahres bekannt gewordenes Treffen zwischen AfD-Vertretern und Rechtsextremisten in Potsdam, bei dem es unter anderem um die «Remigration» von Millionen nicht assimilierter Staatsbürger mit Migrationshintergrund gegangen sein soll. Noller äußerte sich «entsetzt» darüber: «Wir brauchen diese Menschen, die hierherkommen, um unsere alten Menschen zu pflegen und soziale Dienste zu übernehmen, die wir nicht mehr übernehmen können.»

Noller sprach sich ferner für eine bessere Unterstützung armer Familien aus. Ein Fünftel aller Kinder und Jugendlichen im Südwesten sei armutsgefährdet. Es brauche ein Familienfördergesetz, das sich an alle Familien richte, vor allem aber benachteiligte stärke.

Kritik übte sie auch an steigenden und überhöhten Mieten. Zwar wohnten die Baden-Württemberger heute auf so viel Platz wie noch nie. Doch es fehlten Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen. Die Diakonie versuche dem entgegenzuwirken, indem sie etwa Wohnungstauschbörsen fördere oder nicht mehr genutzte Gebäude zu Wohnraum umgestalte.

Kornelius Knapp, Vorstand Sozialpolitik im Diakonischen Werk Württemberg, zeigte sich erleichtert, dass der Haushaltsausschuss der Bundesregierung die geplanten Kürzungen im Etat des Familienministeriums zurückgenommen hat. Mit rund 1.800 Plätzen sei die Diakonie Württemberg einer der größten Anbieter von Freiwilligendiensten. Die geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt hätten zum Wegfall jeder vierten Stelle geführt, so Knapp. Faktisch bedeute die Fortschreibung der Mittel aber eine Kürzung «zwischen acht und 12 Prozent», da Sach- und Personalkosten deutlich gestiegen seien.

Die Diakonie Württemberg ist die soziale Arbeit der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und der Freikirchen. Das Diakonische Werk Württemberg mit Sitz in Stuttgart ist ein Dachverband für 1.400 Einrichtungen mit fast 50.000 hauptamtlichen und 35.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Täglich erreicht die württembergische Diakonie über 200.000 Menschen.

 

(epd)