Der neue große Player im Sozialbereich

Zum 1. Juli verschmelzen die Diakonie Neuendettelsau und das Diak Schwäbisch Hall zu "Diakoneo"
Schwäbisch Hall/Neuendettelsau (epd)

Am 1. Juli geht der neue Diakonie-Riese Diakoneo als Zusammenschluss der beiden Diakoniewerke Neuendettelsau und Schwäbisch Hall offiziell an den Start. Bisher waren viele Details der Fusion noch unklar oder unbekannt - nur, dass sie zur Jahresmitte stattfinden wird. Jetzt steht unter anderem fest, dass auch das neue Diakoneo eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sein wird, wie Neuendettelsau es war. Ebenfalls klar ist, dass der Neuendettelsauer Rektor Mathias Hartmann auch der Vorstandsvorsitzende des neuen Sozialunternehmens sein wird. Michael Kilb, Vorstand des Diak Schwäbisch Hall, wird bei Diakoneo als Vorstand Gesundheit die Verantwortung für den Klinik-Bereich übernehmen.

Der Zusammenschluss der Diakoniewerke war rechtlich kein einfaches Unterfangen, sagt der Sprecher der Diakonie Neuendettelsau, Thomas Schaller. Denn während Neuendettelsau schon eine Körperschaft des öffentlichen Rechts war, war das Diak ein eingetragener Verein. Für die Fusion waren alle bisherigen Mitglieder des Diak-Vereins ausgetreten, die Diakonie Neuendettelsau dafür als juristische Person eingetreten. Der Verein wurde danach in eine gemeinnützige GmbH umgewandelt, deren einziger Gesellschafter nun die Neuendettelsauer sind. Die wird nun zum 1. Juli offiziell ihren Namen in Diakoneo ändern und damit zum Rechtsnachfolger des Diakoniewerks Neuendettelsau werden.

Streng juristisch betrachtet ist dieses Zusammengehen also keine Neugründung oder eine Fusion - es ist eine Übernahme. Faktisch stellt sich die Situation anders dar. Am Donnerstag (5. Juni) wurde die neue Aufsichtsstruktur des Sozialunternehmens beschlossen: Das Diakoneo wird - wie bisher bereits die Diakonie Neuendettelsau - ein Kuratorium erhalten, in dem die Mitglieder des bisherigen Kuratoriums aus Neuendettelsau und des Schwäbisch Haller Aufsichtsrates sitzen werden. Das neue Kuratorium wiederum bestellt einen Aufsichtsrat, der als kleineres Gremium die operativen Geschäfte begleiten wird. "Dafür wäre das Kuratorium zu groß", sagte Diakonie-Sprecher Schaller.

Die Führungspositionen im Vorstand von Diakoneo entsprechen von Struktur und Personal weitgehend denen der Diakonie Neuendettelsau: Vorstandsvorsitzender bleibt Rektor Mathias Hartmann, Jürgen Zenker bleibt Vorstand Dienste für Menschen, kaufmännischer Vorstand bleibt Dietmar Motzer, ebenso Bildungsvorstand Pfarrer Matthias Weigart und Oberin Erna Biewald. Neu hinzu kommt ab 1. Juli Michael Kilb, bisher Gesamtvorstand beim Diak Schwäbisch Hall, der nun den vakanten Posten des Neuendettelsauer Vorstands Gesundheit übernimmt. Ob dessen Dienstsitz wie bislang in Nürnberg sein oder nach Schwäbisch Hall verlagert wird, sei derzeit noch nicht abschließend geklärt.

Man sei derzeit bemüht, das gegenseitige Kennenlernen auch unter den Mitarbeitern der beiden bisherigen Diakoniewerke zu fördern. So seien zum Beispiel viele Schwäbisch Haller am 1. Mai beim Jahresfest der Neuendettelsauer zu Gast gewesen. "Wir bekommen in erster Linie positive Rückmeldungen auf den Zusammenschluss von Mitarbeitern beider Werke", sagt Schaller. Trotzdem nehme man die vereinzelten Bedenken sehr ernst: "Bei uns wird kein kühles Konzernklima Einzug halten." Gleichwohl wolle man die neue Größe strategisch nutzen, um etwa bei der Beschaffung im Klinik-Bereich Geld zu sparen und neue Controlling-Experten im Gesundheitsbereich einzustellen, hieß es.

Der Umbau beider Werke zu Diakoneo soll im Laufe des Jahres 2020 abgeschlossen sein - wie hoch die Kosten für die Einführung der neuen Marke und des Unternehmensumbaus endgültig sein werden, lasse sich noch nicht absehen, sagte Schaller. Alleine 2019 rechnet Diakoneo mit bis zu 200.000 Euro Kosten für die Markeneinführung. Verwendet wird das Budget etwa für eine neue Geschäftsausstattung, Veranstaltungen, Plakate und so weiter. Weitere Fusionen, Kooperationen oder Zukäufe des neuen großen Players im Sozialbereich seien aktuell nicht geplant: "Wachstum ist bei uns kein Selbstzweck. Es wird nur forciert, wenn es für das gesamte Unternehmen Sinn macht", erläuterte Schaller.

Durch die Fusion der beiden Diakoniewerke entsteht ein Unternehmen mit mehr als 10.000 Mitarbeitenden und 600 Millionen Euro Umsatz. Diakoneo wird das größte Diakonieunternehmen in Süddeutschland sein und zu den fünf größten in Deutschland gehören.

Von Daniel Staffen-Quandt (epd)