Bäcker läuft für "Brot für die Welt"

Ehepaar Schultheiss
Leidenschaftlich engagiert: das Bäcker-Ehepaar Schultheiß.
Ehepaar Schultheiß mit Auszeichnung geehrt
Esslingen (epd).

Johannes Schultheiß sitzt am Esszimmertisch, hinter ihm hängt ein Bild, auf dem ein großer Brotlaib zu sehen ist. Er reicht einen Korb mit Brezeln herüber. „Die sind von meinem Lieblingsbäcker“, sagt er und lacht. Denn das Laugengebäck stammt aus seiner eigenen Bäckerei. Bereits in der fünften Generation übt seine Familie das Bäckerhandwerk aus, sein Sohn und sein Neffe führen den Familienbetrieb weiter. Mittlerweile gibt es rund um Esslingen 24 Bäckerei-Filialen, in Ostfildern-Nellingen findet die Produktion statt.

Dem Bäckermeister und Lebensmitteltechnologen war es wichtig, sich privat und beruflich für die Menschen einzusetzen, die „keine Lobby haben“ und Grundnahrungsmittel wie Brot dringend bräuchten. Deshalb engagiert sich Johannes Schultheiß seit mehr als 20 Jahren für das evangelische Hilfswerk „Brot für die Welt“, wofür er und seine Frau im November dieses Jahres die „Hans-Otto-Hahn-Medaille“ erhalten haben.

Die Medaille wird seit 20 Jahren an Menschen verliehen, die sich um „Brot für die Welt “und den Einsatz für weltweite Gerechtigkeit verdient gemacht haben. Hans-Otto Hahn war von 1969 bis 1999 Direktor von „Brot für die Welt“.

Der Einsatz von Schultheiß für das Hilfswerk begann 2001 mit der Idee, ein Charity-Projekt bei der Gründung der Bäckerinnung Alb/Neckar/Fils 2001 zu starten. Rund 300 Betriebe verkauften insgesamt fast 100.000 „Eine-Welt-Brote“ zu Gunsten des evangelischen Hilfswerks. Als Aufsichtsrat und im Vorstand der BÄKO Bundeszentrale sowie als Landesinnungsmeister des Württembergischen Bäckerhandwerks konnte er die Ideen und Projekte von „Brot für die Welt“ ins Land tragen. Er warb dafür, bei den jährlichen Aktionen des Hilfswerks mitzumachen, und Brote zu verkaufen, bei denen ein Teil des Erlöses dem Hilfswerk zugutekommt.

Ein gutes Brot braucht laut Schultheiß „gute Zutaten und sonst nichts“. Meist benötige es nicht mehr als Mehl, Wasser, Hefe und Salz, wichtig sei zudem eine lange Reifezeit und dass es ordentlich gebacken ist. Leider gebe es immer weniger Bäckereien und stattdessen immer größere Bäckereiketten, bedauert er, was auch an der „Geiz-ist-geil“-Kultur liege, die die Backkultur zerstört habe.

Viele Menschen orientierten sich vor allem am Preis für die Nahrungsmittel, statt an der Qualität. Das habe Folgen: Getreide werde billig auf dem Weltmarkt gekauft, der größte Teil der Backware werde nicht mehr in Backstuben, sondern industriell gefertigt, viele Teiglinge würden im Ausland produziert. Dadurch würden Strukturen in der Landwirtschaft zerstört, man sei in der Herstellung abhängig vom Ausland und Arbeitsplätze in der Region gingen verloren. Die Bitte im „Vaterunser“ um das „tägliche Brot“ versteht der Bäckermeister so: „Vielleicht soll das Gebet uns daran erinnern, dass man Lebensmittel schätzt und mit dem zufrieden ist, was man hat.“

Seit Beginn der Aktion „5.000 Brote - Konfis backen Brot für die Welt“ im Jahr 2014 backen regelmäßig Konfirmandengruppen in der Bäckerei Schultheiß ihre eigenen Brote, die sie dann im Bekanntenkreis verkaufen - der Erlös kommt „Brot für die Welt“ zugute. Es sei schön zu sehen, wie die Jugendlichen mit viel Begeisterung Brote verzieren und backen und so einen neuen Bezug zu diesem Grundnahrungsmittel erhalten.

Und einen positiven Nebeneffekt für das Bäckerhandwerk kann eine solche Aktion auch haben: Es habe auch schon Konfirmanden gegeben, die durch das Brotbacken Freude an dem Beruf bekamen und sich später zum Bäcker ausbilden ließen, sagt Schultheiß, dem auch das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde.

Da der Bäckermeister ein leidenschaftlicher Läufer ist, verband er sein Hobby mit sozialem Engagement und rief den „Brotlauf“ ins Leben, bei dem er sich für seine Marathons und Bergmarathons, die er bis ins Alter von 70 Jahren lief, sponsern ließ. „Wenn ich mit eisigen Füßen durch den Schneematsch auf den Bergen rannte, dachte ich an die Landfrauen in Mosambik, die das Geld dringend benötigen“, sagte er. Von den erlaufenen Beträgen erhielten diese Frauen von „Brot für die Welt“ Saatgut für Erdnüsse, von deren Ertrag sie die eigene Familie ernähren und Überschüsse verkaufen können.

Noch immer ist Schultheiß aktiv und unternimmt alpine Bergtouren wie eine Pyrenäenüberquerung von Frankreich nach Spanien. „Der Körper kann viel mehr leisten, als man denkt.“

Von Judith Kubitscheck (epd)