"Widerspruchslösung führt nicht zu mehr Organspenden"

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Werbung für mehr Organspende
Freiburg/Köln (epd)

Der Medizinethiker Giovanni Maio hat die mögliche Einführung einer Widerspruchsregelung bei Organspenden abgelehnt. "Die Widerspruchslösung führt nicht automatisch zu einer Zunahme an Spenden", sagte der Freiburger Wissenschaftler im WDR5-"Morgenecho". Studien in Dänemark oder Schweden könnten nicht belegen, dass die Regelung zu mehr Organspenden führe. Vielmehr sei die Organisation der Spenden maßgeblich. Zugleich beharrte er auf der Freiwilligkeit der Organspende.

Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten um Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach wollte am Montag einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Widerspruchsregelung bei Organspenden vorlegen.

Laut "Bild am Sonntag" sieht der Gesetzentwurf ein zweistufiges Verfahren vor: Wenn der Arzt den Hirntod feststellt, fragt er bei einem vom Gesundheitsministerium neu einzurichtenden Register nach, ob der Patient der Organspende widersprochen hat. Wenn nicht, gilt er erst mal als Spender. Danach muss der Arzt noch den nächsten Angehörigen fragen, ob ihm ein schriftlicher Widerspruch oder ein zu Lebzeiten erklärter Wille des Patienten bekannt ist. Ist das nicht der Fall, ist der Patient automatisch Organspender.

Maio sprach sich gegen diesen Vorschlag aus. Die Unverfügbarkeit des menschlichen Körpers werde auf diese Weise außer Kraft gesetzt, kritisierte er. "Jeder Mensch hat das Recht darauf, dass der Körper unversehrt bleibt." Das gelte auch nach dem Tod, betonte der Ethiker: "Wir haben ein Empfinden, dass der Körper auch nach dem Tod natürlich etwas mit uns zu tun hat." Jeder Mensch habe das Recht darauf, zu wissen, dass nach dem Tod auch der Körper unversehrt bleibe.

Zudem gab der Wissenschaftler zu bedenken, dass Schweigen immer vieldeutig sei. Aus Schweigen lasse sich nicht ableiten, dass jemand über die mögliche Organspende nach dem Tod informiert war und sie auch wollte. "Man kann nicht annehmen, dass derjenige, der geschwiegen hat, automatisch ja gesagt hat", betonte Maio.

Eine Alternative zu dem Vorstoß von Spahn und Lauterbach legt eine Gruppe um den CDU-Politiker Heribert Hirte und die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock vor. Sie plädieren für ein bundesweites Online-Register, das Erklärungen umfassen soll, wie sie bisher auch auf dem Organspendeausweis möglich sind: Zustimmung, Ablehnung, Ausschluss beziehungsweise Auswahl bestimmter Organe und Gewebe sowie Übertragung der Entscheidung auf eine dritte Person. Wer sich nicht entscheidet, soll nicht registriert werden. Derzeit stehen laut DSO rund 9.400 Patienten in Deutschland auf den Wartelisten für ein Spenderorgan.