Gericht gibt Rodung von Streuobstwiesen frei
Streuobstwiese
Der NABU-Landesverband Baden-Württemberg kämpft gegen Rodungen von Streuobstwiesen.
Stuttgart (epd)

Kurz vor Weihnachten hatte das Verwaltungsgericht Karlsruhe die weitere Rodung einer Streuobstwiese bei Bretten (Kreis Karlsruhe) vorerst gestoppt. Nun hat das Verwaltungsgericht Stuttgart einen Antrag des NABU-Landesverbands Baden-Württemberg gegen die Rodung von drei Streuobstflächen in Großbettlingen bei Nürtingen abgelehnt (AZ: 2 K 6423/22). Die Streuobstbestände mit einer Gesamtfläche von 2.327 Quadratmetern sollen einem Gewerbegebiet weichen, teilte das Gericht am 13. Januar in Stuttgart mit.

Das Interesse der Gemeinde an der Umwandlung überwiege das öffentliche Interesse an einer Erhaltung des Streuobstbestandes, hieß es weiter. Der Kreisökologe habe dem Streuobstbestand «eine geringe bis allenfalls mittlere Wertigkeit» zugesprochen und besonders schützenswerte Vogelarten wie der Star seien von der Rodung nicht unmittelbar betroffen. Eine dauerhafte Quartiersnutzung durch Fledermäuse sei ebenfalls nicht festgestellt. Die vorgesehenen Ausgleichsmaßnahme - an das Gewerbegebiet anschließend sollen 2.996 Quadratmeter neuer Streuobstbestand entstehen - ist nach Ansicht der Kammer ausreichend.

Bei dem Konflikt um Streuobstwiesen handelt sich um ein landesweites Problem. Der NABU fordert eine grundsätzliche Klärung, wie einzelne Begriffe in Landesnaturschutzgesetz (§ 33 a) auszulegen seien. Im Juli 2020 verabschiedete die Landesregierung das Biodiversitätsgesetz, unter anderem zum besseren Schutz von Streuobstwiesen. Das Gesetz gilt als Kompromiss zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Es häufen sich jedoch die Beschwerden von Seiten des Naturschutzes. Eine Anfrage bei Umweltämtern habe ergeben, dass rund 90 Prozent aller Anträge auf Rodung genehmigt worden seien, teilte der NABU mit. Es gebe landesweit in über 40 Fällen Widerspruch gegen eine Rodung.
 

epd