Asylpfarrer begrüßt Urteil zum Umgang mit konvertierten Asylbewerbern

s:65:"Württembergs Bischof July taufte 2016 Flüchtlinge in Stuttgart.";
Württembergs Bischof July taufte 2016 Flüchtlinge in Stuttgart.
Stuttgart/Karlsruhe (epd)

Der Asylpfarrer und landeskirchliche Beauftragte im Migrationsdienst in Württemberg, Joachim Schlecht, hat das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Umgang mit zum Christentum übergetretenen Asylbewerbern generell begrüßt. Es bringe mehr Klarheit auch in innerkirchliche Diskussionen, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Außerdem würden klarere Grenzen gezogen mit Blick auf unangemessene Einzelfragen zum Glauben des Asylbewerbers. Gut sei auch, dass die Taufe nach diesem Urteil nicht mehr so leicht als asyltaktisches Manöver abgetan werden könne.

Nach einem am 22. Mai veröffentlichten Beschluss dürfen die Verwaltungsgerichte in Deutschland zum Christentum übergetretene Asylbewerber keiner "Glaubensprüfung" unterziehen. Sie müssten sich jedoch davon überzeugen, dass die im Herkunftsland zu einer Verfolgung führende Glaubensbetätigung für die religiöse Identität des Betroffenen auch eine zentrale Bedeutung habe (AZ: 2 BvR 1838/15). Dies verletze weder das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen oder Religionsgemeinschaften noch die Glaubens-, Gewissens- und Religionsfreiheit des Einzelnen.

Der Asylpfarrer betonte weiter, dass es Übersetzer und Richter brauche, die im Christentum bewandert seien. "Unverständlich bleibt, warum nicht, wie bei Traumata, unabhängige Gutachten eingeholt werden können." Viele Richter würden weiterhin im komplexen Verfahren in ihrer Dreifachrolle als Alleinentscheider, Protokollant und Begutachtender überfordert sein, sich ein breites Bild von der identitätsprägenden Religiosität des Asylbewerbers zu machen, so Schlecht.

Die Referentin des Evangelischen Salam-Centers, Heidi Josua aus Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis) forderte, Staat und Kirche sollten in dieser Thematik endlich konstruktiv zusammenarbeiten. Da leider immer noch manche Pastoren zu schnell und zu unvorbereitet tauften, brauche es dringend eine kirchliche Stelle, die einen Taufwilligen idealerweise vor der Taufe begutachte, Motivation, Wissen über das Christentum und geistliches Wachstum überprüfe und eine Empfehlung an den taufenden Geistlichen abgebe, so die Orientalistin.

Spätestens vor einer Anhörung oder einem Gerichtsverfahren vor dem Verwaltungsgericht könnte diese Stelle um ein Gutachten gebeten werden, oder die Verhandlung gemeinsam mit dem Richter durchführen. In Verfahren von Konvertiten sollten Richter mit einer Zusatzqualifikation zum Einsatz kommen, ebenso christliche Dolmetscher oder Muslime, die schriftlich erklären müssen, dass sie die Konversion des Asylsuchenden akzeptieren, schlug Josua vor. Sie betreut Konvertiten, die sich bewusst für den christlichen Glauben entschieden haben.