Presse darf "Tourismus" zu Grab nicht fördern

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Friedhof (Symbolbild)
Karlsruhe (epd)

Die Presse darf mit einer Bildberichterstattung über das Grab des für das Germanwings-Unglück verantwortlichen Co-Piloten keinen "Grabtourismus" befördern. Die Angehörigen des Co-Piloten, der für den Tod von 149 weiteren Menschen in den französischen Alpen verantwortlich ist, hätten ein Recht darauf, dass auch sie in ihrer Trauer beim Besuch des Grabes "nicht zum Objekt von Schaulust und Sensationsgier" werden, entschied der Bundesgerichtshof. Die Karlsruher Richter erklärten damit die Online-Fotoberichterstattung von "Bild" für rechtswidrig, billigten aber deren Textberichterstattung. (AZ: VI ZR 62/17)

Konkret ging es um den Todesflug des Germanwings-Fliegers vom 24. März 2015. Der 27-jährige Co-Pilot Andreas L. hatte laut den staatsanwaltlichen Ermittlungen den Airbus 320 gezielt gegen einen Berg in den französischen Alpen geflogen. Bei dem Unglück kamen neben Andreas L. weitere 149 Menschen ums Leben. Das genaue Motiv der Tat blieb unklar. Vermutet wird jedoch ein Suizid aufgrund von Depressionen.

Über die nichtöffentliche Beerdigung von Andreas L. berichtete "bild.de" am 30. Juni 2015 umfassend. In dem Artikel wurde beschrieben, wie das Grab und der Grabschmuck aussah - etwa das Holzkreuz und die Kranzschleifen. Dazu wurden mehrere Fotos veröffentlicht. Die Eltern des Co-Piloten sahen sich damit in ihrem Recht auf Schutz der Privatsphäre verletzt.

Dem stimmte der Bundesgerichtshof zumindest bei der Foto-Berichterstattung zu. Der Text-Artikel sei jedoch nicht zu beanstanden. Die Fotos machten die Auffindbarkeit des Grabes auf dem Friedhof deutlich leichter. Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Eltern bei Besuchen des Grabes von anderen Personen gestört oder ihre "Symbole des Gedenkens zerstört vorfinden", befand der Bundesgerichtshof.

"Privatheit und die berechtigte Erwartung, nicht zum Objekt von Schaulust und Sensationsgier in Momenten der Trauer beim Besuch des Grabes eines nahestehenden Verstorbenen zu werden, bestehen auch auf einem öffentlichen Friedhof und haben am Schutz des Rechts auf Privatsphäre teil", urteilten die Karlsruher Richter. Die Bilder würden einen "Grabtourismus" befördern.