Datenschutzbeauftragter warnt vor Gesichtserkennung

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Gesichtserkennung im Gottesdienst - das war die Idee eines israelisch-amaerikanischen IT-Unternehmens.
Stuttgart (epd)

Der baden-württembergische Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (LfDI), Stefan Brink, fordert die Aussetzung von Gesichtserkennung in Europa. "Wir brauchen eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit kritischen Technologien", teilte er in Stuttgart mit. Technik wie Clearview AI, PimEyes oder FindFace machten die Identifizierungg von Demonstranten ebenso möglich wie Hintergrundrecherche zu neuen Mitarbeitern oder das Ausspionieren des neuen "Schwarms".

Die Möglichkeiten der Technik seien alarmierend. "Wir haben es hier mit eklatanten Rechtsverstößen zu tun: Schon die Aufnahme des Bildes und das Hochladen auf eine solche Plattform stellt eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild der betroffenen Person dar", sagte Brink. Die weitere Verarbeitung der Bilder gehe noch darüber hinaus.

Gesichtserkennungstechnologie gefährde die freiheitliche Demokratie. Jegliche Anonymität werde aufgehoben, warnte der Experte. Auch für eine Nutzung solcher Dienste durch Sicherheitsbehörden fehle es an einer eigenständigen gesetzlichen Regelung in Deutschland. "Besonders beunruhigend ist, dass hier besonders sensible biometrische Daten im großen Stil gesammelt werden, die eine eindeutige Identifizierung einer Person ermöglichen und das Potenzial für die totale soziale oder staatliche Überwachung liefern", sagte er. Das habe "klar absehbare Folgen: Menschen werden sich davor hüten, mit persönlichen Einstellungen oder Überzeugungen in der Öffentlichkeit aufzufallen, wenn sie immer damit rechnen müssen, fotografiert und identifiziert zu werden".

Brink forderte die gesamte Gesellschaft auf, sich gegen diese Entwicklung zu stemmen und dem Missbrauch der unveränderlichen biometrischen Merkmale entschieden entgegenzutreten: "Wir brauchen eine gesellschaftliche Auseinandersetzung mit kritischen Technologien, die unsere Freiheiten bedrohen - und bis dorthin eine Aussetzung des Einsatzes solcher Techniken - zumindest in Europa."